Frühste Notenstiche der Musikgeschichte – Simone Verovio

Während im 16. Jahrhundert Musikdrucke hauptsächlich im Typendruck hergestellt werden und dadurch ein typisch verwackeltes Druckbild erhalten (Ottaviano Petrucci einmal ausgenommen), fallen die Drucke Simone Verovios besonders durch ihr handschriftlich anmutendes Aussehen auf. Die im Stich hergestellten Musikdrucke sind leicht durch ihren charakteristischen Plattenrand zu erkennen.

Die ersten Drucke, welche bei Verovio (gest. 1607 in Rom erschienen, sind von 1586. Bis 1608 finden sich Einzel- und Sammeldrucke, bei denen er mit seinem Namen zeichnet. In diesem Zusammenhang muss auch Martin van Buyten genannt werden, der mit Verovio zusammengearbeitet hat und selbst als Stecher tätig war. In einem Flugblatt von 1587 mit dem Titel Essemplare di XIII lingue principalissime demonstrieren sie die Möglichkeiten für Schriften im Stich. Die verschiedensten Alphabete von 14 Schriftsprachen sind kein Problem, von deutscher Kurrentschrift über Griechisch bis Hebräisch ist alles möglich.

Doch neben der Schrift sind auch die Illustrationen ein Blickfang: Man schaue sich z.B. den Titel der vierstimmigen Kanzonetten von 1591 an. Dabei fällt in der Musizierszene auf, dass die zwei abgebildeten Notenbände in Querformat zu sein scheinen. Interessanterweise sind von Verovio nur Drucke im Hochformat bekannt.

Dass es sich auch lohnt spätere Auflagen für eine nähere Betrachtung zu nutzen, beweisen die Sammeldrucke der dreistimmigen Canzonette spirituali . Während bei der Auflage von 1591 bei drei bekannten Exemplaren zumindest der Bassus und Altus überliefert sind, findet sich erst mit der späteren Auflage von 1599 auch ein Superius. Dazu kommt, dass nur im Superius der Widmungsträger, in dem Fall Vincenzo I. von Mantua (1562-1612), zu finden ist.

Das sind nur ein paar kleine Beispiele von dem, was es bei Verovio alles zu entdecken gibt. Gehen Sie doch auch auf Entdeckungstour, zu den meisten Drucken von Verovio gibt es Digitalisate. Bei der Sammlung Lodi della musica (1595|6) sind es sogar drei Digitalisate bei gerade einmal vier bekannten Exemplaren.

Heute gibt Verovio seinen Namen dem von der RISM-Schweiz entwickelten modernen digitalen Werkzeug zur Darstellung der Notenschrift. Auch wenn Sie das Projekt nicht kennen, wissen Sie, was es kann: Mit Verovio werden die Musikincipts sowohl im RISM-Online-Katalog als auch in unserem internen Katalogisierungsprogramm Muscat angezeigt.

Wer mehr zu Verovio erfahren möchte, sei auf die üblichen Lexika und die neue Veröffentlichung von Auguste Campagne, Simone Verovio - Music printing, intabulations and basso continuo in Rome around 1600 (= Wiener Veröffentlichungen zur Musikgeschichte vol. 13), Wien 2018 (zitiert in RISM unter CampagneV 2018) verwiesen.



Abbildung: Titelblatt von CANZONETTE | A quattro Voci, | Composte da diuersi | Ecc.ti Musici. Copy in Bayerische Staatsbibliothek (D-Mbs, 4 Mus.pr. 10), RISM ID no. 993120915.


Kategorie: Pressespiegel



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