Eine musikalische Landkarte des 16. Jahrhunderts (MML16)

Den folgenden Beitrag erhielten wir von Emily Hopkins (McGill University):

Die Erfindung des Musikdrucks veränderte die europäische Musiklandschaft im 16. Jahrhundert. Der Zugang zu erschwinglichen gedruckten Noten ermöglichte es weitaus mehr Menschen, das Lesen von Musik zu erlernen und in ihren eigenen vier Wänden zu spielen. Die enorme Zunahme der Kopien einzelner Werke führte dazu, dass dass Musik von Land zu Land und auf der ganzen Welt von Missionaren, Reisenden, Kaufleuten und Musikern getragen wurde. Neue Technologien veränderten die Rolle der Musik in einem Jahrhundert, das von großen religiösen und kulturellen Konflikten geprägt war.

Während es schon zahlreiche Studien zu einzelnen Komponisten, Musikverlegern und Gattungen gegeben hat, gibt es noch keine Studie über diese musikalischen Landschaft als Ganzes. Welche Kompositionen waren am beliebtesten? Wie ist das Repertoire gereist? Welche Besonderheiten zeichnen lokale Repertoires aus? Wer kaufte welche Musikalien und führte sie auf? Profis, Amateure, Höflinge, Kaufleute, Chorknaben, Chormädchen, Bruderschaften? Wann brachte Musik Menschen zusammen und wann trieb sie sie auseinander?

Um diese Fragen zu beantworten, bedarf es einer umfassenden Erschliessung des erhaltenen Repertoires: des Inhalts von Manuskripten und Drucken sowie aller Quellen für jedes Werk. Ein neues Projekt unter der Leitung von Julie Cumming (McGill University) wird sich mit diesen Fragen befassen und sich dabei auf die Musik der Renaissance konzentrieren. Das von der SSHRC Insight geförderte Projekt mit einer Laufzeit von fünf Jahren (2019-2024) heißt Mapping the Musical Landscape of the Sixteenth Century und umfasst ein Forschungsteam von elf Personen aus Kanada, den Vereinigten Staaten und Europa, darunter unser Kollege Laurent Pugin von der RISM Schweiz.

Zu den Zielen gehört eine frei zugängliche Website für die Inventarisierung musikalischen Quellen polyphoner Musik, die im 16. Jahrhundert gedruckt oder geschrieben wurden, mit Angaben zu Datum, Herkunft und Art der Quelle. Informationen aus der RISM-Datenbank für Drucke und Manuskripte werden in andere Datenbanken aufgenommen und enthalten Links zu RISM und anderen Online-Beständen und Katalogen. OMR (Optical Music Recognition) wird für die mensurale Notation eingesetzt, um automatische Transkriptionen zu ermöglichen, die mit den Inventaren verknüpft werden. Es werden Visualisierungstools entwickelt, die zeigen, wie sich Musik über Raum und Zeit bewegt.

Das Projekt wird zu einem wesentlich erweiterten Verständnis der musikalischen Landschaft des 16. Jahrhunderts beitragen. Die vier Forschungsthemen untersuchen die Rolle der Musik in den Bereichen religiöser Konflikt, Kolonisation und Konversion, regionale und internationale Identität sowie sakrale und säkulare Musik. Das Projekt wird nicht nur für das Studium der Renaissancemusik von Vorteil sein, sondern auch für Studien zur Geschichte des Buches, Religionswissenschaften, optische Musikerkennung und digitale Geisteswissenschaften.

 

Kategorie: Pressespiegel



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