Nachruf auf Danuta Szlagowska (1946-2018)

Mit großem Bedauern haben wir vom Tode unserer lieben Kollegin prof. dr hab. Danuta Szlagwoska erfahren, die am 13. März 2018 von uns gegangen ist.

Sie war seit 1997 Mitglied der Danziger RISM-Arbeitsgruppe und hat vor Ort durch ihre umfangreiche Dokumentationstätigkeit sehr viel zum Erfolg des RISM in Polen beigetragen.

Danuta Szlagowska war eine von ihren Fachkolleginnen und -kollegen hochgeschätzte Musikwissenschaftlerin und Pädagogin. Sie lehrte seit 1976 an der Danziger Stanisław Moniuszko-Musikakademie in den Fächern Dirigieren, Komposition und Musiktheorie. Dort war sie dann von 2008-2016 Vizerektorin des Institutes für Musiktheorie. Außerdem lehrte sie von 1993-2003 an der Feliks Nowowiejski-Musikakademie in Bydgoszcz und von 2008-2014 an der Warschauer Fryderyk-Chopin-Musikuniversität.

Ursprünglich promovierte prof. Szlagowska 1976 nach ihrem Studium der Musikwissenschaft und Psychologie mit der wahrnehmungspsychologischen Arbeit Efektywność uczenia się melodii w zależności od rodzaju i liczby analizatorów zaangażowanych w procesie percepcji [Effektivität des Melodie-Lernens in Abhängigkeit von Art und Anzahl der am Wahrnehmungsprozess beteiligten Analysatoren] am Institut für Psychologie der Universität Warschau, bevor sie sich der Quellenarbeit an ihrem neuen Wirkungsort Danzig verschrieb. Bis zuletzt beschäftigte sie sich mit der Musikgeschichte der Ostsee-Stadt, mit den dort vorhandenen Musikquellen und den in Danzig entstandenen Kompositionen.

Mit ihren Kolleginnen Barbara Długońska, Danuta Popinigis und Jolanta Woźniak brachte Danuta Szlagowska drei thematische Quellenkataloge in der Reihe „Music Collections from Gdańsk” heraus in Zusammenarbeit mit der RISM-Zentralredaktion in Frankfurt am Main: Band 1 dokumentiert den Bestand der Musikhandschriften der Polnischen Akademie der Wissenschaften Danzig (PL-GD, in RISM zitiert unter PopinigisC 2011). Band 2 die Musikhandschriften der früheren Stadtbibliothek Danzig, heute in der Staatsbibliothek Berlin (D-B, SzlagowskaC 2007) und der dritte Band die Musikhandschriften des Danziger Staatsarchivs (PL-GDap, WoźniakC 2008).

Ihre intensive Quellenarbeit in Danzig führte sie 2007 zur Habilitation über Repertuar muzyczny z siedemnastowiecznych rękopisów gdańskich [Das Musikrepertoire der Danziger Manuskripte aus dem 17. Jahrhundert] am Kunst-Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Ihre Arbeiten waren wegweisend für die polnische Musikwissenschaft und Quellenkunde und haben der internationalen Fachwelt den musikalischen Quellenbestand der alten Hansestadt Danzig und ihre Musikgeschichte nahe gebracht.

Darüberhinaus legte Danuta Szlagowska eine musikethnologische Arbeit über vergangene Musikkulturen der Welt vor, in der sie sich u. a. mit den antiken Kulturen Mesopotamiens, Israels, Chinas und Indiens beschäftigte (Kultura muzyczna antyku, 1983). 1998 erschien ihre Überblicksdarstellung Muzyka baroku. Ihre rege wissenschaftliche Tätigkeit führte sie auf über vierzig nationale und internationale Konferenzen, an denen sie sich produktiv beteiligte. Sie wirkte als wissenschaftliche Redakteurin bei den Reihentitlen „Musica Baltica” und „Muzyka organowa”. Bis 2011 war sie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Zeitschrift Aspekty Muzyki.

Seit 2014 leitete prof. Danuta Szlagowska das Editionsprojekt „Thesaurus Musicae Gedanensis” im Rahmen des „Nationalen Programms für die Entwicklung der Geisteswissenschaften”. Hierin sind beispielhafte Werkeditionen der Danziger Komponisten Daniel Jacobi und Johann Balthasar Erben vorgesehen. Erschienen sind bereits Ausgaben von Werken Bernardino Borlascas (2016) und Thobias von Dürens (2017) aus dem 17. Jahrhundert.

Sie war Mitglied in der Sektion Musikwissenschaft der polnischen Komponistengewerkschaft und der Wissenschaftlichen Gesellschaft Danzig.

Für ihre jahrzehntelangen Verdienste als Pädagogin und Musikwissenschaftlerin erhielt Danuta Szlagowska Preise der Danziger Musikakademie und der Chopin-Musikuniversität, eine Medaille der polnischen Bildungskommission, Preise der Stadt Danzig sowie das Goldene Verdienstkreuz der Republik Polen. 2016 erhielt sie den Professorentitel ehrenhalber von der Abteilung für Dirigieren, Komposition und Musiktheorie der Fryderyk-Chopin-Musikuniversität Warschau.

Die Zentralredaktion trauert mit den Angehörigen, den Kolleginnen und Kollegen. Wir werden prof. Danuta Szlagowska immer in guter Erinnerung behalten. Wir vermissen eine aktive, fachlich breit aufgestellte Kollegin, die uns allen durch ihr kontinuierliches wissenschaftliches Arbeiten ein großes Vorbild bleibt.


 

 

Kategorie: In memoriam



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