Happy Birthday, Clara Wieck-Schumann!

Druck von A. Kneisel, ca. 1838

Beim Abschied (1846)

Berliner Blumentagebuch

Wir haben den folgenden Beitrag von Marina Schieke-Gordienko, Referantsleiterin der Musikabteilung, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erhalten. Eine ausführliche Version ist in Bibliotheksmagazin (2/2019) erschienen.

Clara Wieck-Schumann war die wohl berühmteste Pianistin des 19. Jahrhunderts, aber auch Komponistin, Herausgeberin, Klavierpädagogin und Konzertagentin.

Sie wurde am 13. September 1819 in Leipzig geboren und erhielt einen ausgezeichneten Klavierunterricht durch ihren Vater, den Klavierpädagogen Friedrich Wieck. Schon im Kindesalter führte sie Konzertreisen nach Dresden, Weimar und Paris durch. Den ersten Kompositionsunterricht erhielt sie bei Heinrich Dorn, Carl Reißiger und Siegfried Dehn und als Zehnjährige veröffentlichte sie ihre ersten Klavierkompositionen, die Quatre Polonoises op. 1 und die Caprices en forme de Valse op. 2.

Als sie Robert Schumann begegnete, begann ein erbitterter Streit mit dem Vater, der sich den Heiratsplänen des jungen Paares entschieden widersetzte. Erst aufgrund einer gerichtlichen Klärung konnte die Heirat am 12. September 1840 stattfinden. Für Clara begann eine rastlose Zeit. Im Zeitraum zwischen 1841-1854 brachte sie acht Kinder zur Welt. Trotz der vielfältigen häuslichen Pflichten gelang es ihr, neben der eigenen Konzerttätigkeit auch das Komponieren nicht zu vernachlässigen. Die meisten Werke entstanden zwischen 1829 und 1855. Ihr Oeuvre umfasst 23 Werke mit und 31 Werke ohne Opus Zahlen, darunter Klavierkompositionen, Lieder, Chorwerke, Romanzen für Violine und Klavier sowie zwei Konzerte für Klavier und Orchester. Die meisten Musikautographen sowie umfangreiche Briefkonvolute werden in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz verwahrt, sie sind im Stabikat, RISM und Kalliope recherchierbar.     

Clara war zunehmend die Hauptinterpretin der Werke ihres Mannes, der aufgrund einer Verletzung nicht mehr konzertieren konnte. Eine kurzzeitige, glückliche Phase erlebten die Schumanns ab 1850 in Düsseldorf, wo Robert die Stelle des Städtischen Musikdirektors übertragen wurde. Nach seinem Tod erfüllte Clara das Vermächtnis ihres Mannes als Herausgeberin der ersten Kritischen Gesamtausgabe seiner Werke bei Breitkopf & Härtel (31 Bände, 1879-1887), der Instructiven Ausgabe seiner Klavierwerke mit Metronom-Angaben und Fingersätzen sowie der Ausgabe seiner Jugendbriefe (1886). Später entschied sie sich für die Anstellung als Hauptprofessorin für Klavier am Frankfurter Hoch’schen Konservatorium. In über 13 Unterrichtsjahren baute sie eine internationale Klavierklasse auf. Unter den rund 70 Schülerinnen und Schülern waren Fanny Davies, Ilona Eibenschütz, Mary Wurm, Adelina de Lara und Leonard Borwick. Clara Schumanns kritisierte das Klavierspiel der Schülerinnen und Schüler schonungslos wegen mangelnder Technik und fehlendem Ausdruck, was ihr als „unliebenswürdige Manieren“ (Louise Adolpha Le Beau, Lebenserinnerungen einer Komponistin, Baden-Baden 1910 p. 49. Der Nachlass Le Beau befindet sich ebenfalls in der SBB.) nachgesagt wurde. Sie geizte aber auch nicht mit Lob, wenn ihr eine Interpretation gelungen erschien. Die Unsterblichkeit Clara Schumanns basiert zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil auf den Überlieferungen ihrer künstlerischen Ansichten durch ihre Schülerinnen und Schüler.

Am 20. Mai 1896 starb Clara Schumann in Frankfurt am Main.

Der Schumann-Nachlass

Der umfangreiche Schumann Nachlass kam durch Clara Schumann in die Königliche Bibliothek, die sie als „eine würdige und sichere Stätte“ (vgl. “Acta betreffend den handschriftlichen Nachlass von Robert Schumann. 1887,” SBB, Handschriftenabteilung, PSB, III H.23, S. 3) zur Aufbewahrung der Autographen ihres Mannes ansah. Hier befanden sich schon die Autographen herausragender Komponisten, wie Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Robert Schumanns Musikautographen kamen zunächst als Depositum in die Handschriftenabteilung der Königlichen Bibliothek und konnten 1904 dank einer privaten Stiftung erworben werden. Den Grundstock der Schumann-Sammlung bildeten 18 Bände, darunter die drei Liederbände aus den Jahren 1840-1847, die Sinfonie Nr. 3 (Rheinische) und nicht zuletzt die 28 Bände mit Familienkorrespondenz, die kriegsbedingt in die Biblioteka Jagiellońska Kraków gelangt sind, wo sie sich noch heute befinden. Eine wichtige Ergänzung bildete die Erwerbung von weiteren Originalhandschriften im Jahr 1924 von der ältesten Tochter Marie Schumann, worunter sich auch Clara Schumanns Klavierkonzert Nr. 1 (1836), zahlreiche Briefe von Johannes Brahms sowie der Briefwechsel zwischen Robert und Clara Schumann befanden. Schließlich gelangten im Jahr 1940 die drei Haushaltbücher (1837-1856) und einzelne Gegenstände aus dem privaten Gebrauch des Ehepaars Schumann durch den Enkel Ferdinand Schumann in die Preußische Bibliothek. Zur Berliner Schumann-Sammlung gehören weiterhin 13 Bände mit Musikautographen Clara Schumanns, 7 Korrespondenzbände sowie das legendäre Berliner Blumentagebuch für Johannes Brahms von den gemeinsamen Konzertreisen 1857-1859, das liebevoll arrangierte Pflanzen und Blätter enthält.

 


Abbildungen:
Clara Schumann (Druck von A. Kneisel, um 1838)
D-B, Mus.ms.autogr. Schumann, K. 1

Clara Schumann, Beim Abschied (1846)
D-B, Mus.ms. autogr. Schumann, Clara 5 (f. 20v) (RISM ID no. 464000972)

Berliner Blumentagebuch von Clara Schumann (1857-1859)
D-B, Mus.ms.autogr.theor. Schumann, C. 1 (Blumenblatt 4)

Alle Abbildungen stammen mit freundlicher Genehmigung von Marina Schieke-Gordienko und aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

 

 

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