Timothy Swan (1758-1842): Ein früher amerikanischer Komponist

Mit freundlicher Genehmigung der American Antiquarian Society

Timothy Swan ist vermutlich einer der ersten amerikanischen Komponisten. Geboren am 23. Juli 1758 in der britischen Kolonie Massachuesetts, arbeitete Swan zunächst als Kaufmann und lernte des Handwerk des Hutmachers. Seine musikalische Ausbildung war eher rudimentär (wir wissen von einer dreiwöchigen Gesangsausbildung) und er hatte auch keinerlei Berührung mit den europäischen Traditionen der Komposition oder Stimmführung.


Allerdings war er ständig von britischen Melodien umgeben, sei es durch den Gemeindegesang in der Kirche, wo er sie neben einheimischen Kompositionen aus Neu England hörte, oder in der Kontinentalarmee, wo er als Soldat die Querpfeife erlernte. Möglicherweise konnte er auch die Fiddle spielen. Er probierte seine Kompositionen aus, indem er sie niederschrieb und an seine Freunde verteilte, die sie sangen und ihm einen Eindruck vermittelten, wie sie klangen. So wurden die Handschriften von Swans Kompositionen recht weit verbreitet und so kam es, dass er beim Besuch einer Stadt feststellte, dass seine Musik dort bereits bekannt war, bevor sie im Druck erschienen war.

Das Repertoire der amerikanischen Psalmodie und geistlicher Gesänge wuchs am Ende des 18. Jahrhunderts rasant. So fanden Swans Kompositionen den Weg in gedruckte Anthologien noch bevor seine eigenen Sammlungen The Songster’s Assistant (ca. 1786) und New England Harmony (1801) veröffentlicht wurden. "Montague," das sich auf eine Stadt in Massachusetts bezieht und von Swan als seine "älteste Melodie (1777)" bezeichnet wurde erstmals in einem von John Stickney zusammengestellten Buch mit dem Titel The Gentleman and Lady's Musical Companion im Jahr 1783 veröffentlicht. Die Popularität dieser Melodie lässt sich anhand von 60 Drucken ablesen, die bis 1810 herausgegeben wurden, überwiegend in New England.

Montegue
Timothy Swan, "Montague" (Bass-Stimme). Eda Kuhn Loeb Music Library, Harvard University (US-CAe), MT870 .W34 1746, seq.143. RISM ID Nr. 900022685, available online.


Die oben abgebildete Bass-Stimme von "Montague" ist ein handschriftlicher Anhang zu einer Gesangsschule von Thomas Walter (1746) mit dem Titel  The grounds and rules of musick explained. Der Band befindet sich heute in der Harvard University und stammt aus dem Besitz von Thankfull Hubbard (später Leonard), allerdings wurde der Anhang vermutlich nach ihrem Tod 1772 ergänzt. Micah Walter vermutet, dass der Besitzer des Buches seine Stimme aus einem gedruckten Exemplar kopiert hat, um die Stücke mit Freunden aufführen zu können. Aus der Bass-Stimme alleine lässt sich die Komplexität des Stückes nur schwer erahnen. Die Worte "Let the high heavens" werden in der zweiten Hälfte des Stückes als Fuge vertont.

Der RISM Online-Katalog führt über 60 Einträge von Swan an, der Schwerpunkt liegt dabei auf handschriftlichen Übertragungen. Swans Handschriften sind heute ausschließlich in amerikanischen Bibliotheken zu finden, überwiegend in New England, wo er sein ganzes Leben verbrachte. Er komponierte auch weiterhin neben seiner Tätigkeit als Hutmacher und starb vor 175 Jahren am 23. Juli 1842, zugleich sein 84. Geburtstag. 


Hören Sie eine Aufführung von "Montague" gesungen vom Oregon State University Choir aus ihrem Album "Make a Joyful Noise: American Psalmody, 1770-1840" (1996) und genießen Sie den einzigartigen amerikanischen Klang. 



Quellen:
Nym Cooke, ed., Timothy Swan: Psalmody and Secular Songs (Madison: A-R Editions, 1997).
Richard Crawford, The core repertory of early American psalmody (Madison: A-R Editions, 1983).


Abbildung: Portrait von Swan eines unbekannten Künstlers, ca. 1797. Mit freundlicher Genehmigung der American Antiquarian Society, Worcester, MA.

 

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