Paweł Podejko - ein Autor und sein Quellenkatalog

Der Name Paweł Podejkos ist auf das Engste mit seinem Katalogprojekt der historischen Musiksammlung der Musikkapelle des Paulinerklosters von Jasna Góra in Tschenstochau verbunden. Der im Jahre 1992 in Krakau erschienene thematische Katalog Katalog tematyczny rękopisów i druków muzycznych kapeli wokalno-instrumentalnej na Jasnej Górze (RISM-Literatursigel PodejkoK 1992) über die Musikhandschriften und -drucke, die heute noch vor Ort in Tschenstochau im Paulinerkloster (RISM-Bibliothekssigel PL-CZ) verwahrt werden, hat in Polen und auch darüberhinaus eine weite Verbreitung gefunden.

Jetzt sind alle Einträge der Musikhandschriften aus Podejkos Katalog beim RISM verzeichnet. Es handelt sich um insgesamt 2.413 Katalogisate. Der Anteil der Musikdrucke ist bisher noch nicht in der RISM-Datenbank berücksichtigt und stellt eine weitere Herausforderung für die Zukunft dar.

Podejkos Katalog spiegelt den Forschungsstand der achtziger Jahre wider. In der Zwischenzeit konnten viele RISM-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Polen und anderswo die im Katalog als anonym katalogisierten Quellen identifizieren und einem Komponisten zuschreiben, oder falsche Zuschreibungen im Katalog korrigieren. Besonders hilfreich war hierbei immer die Datenbank des RISM mit ihrem Suchwerkzeug der Musikincipits, das verschiedene Musikquellen zu einem Musikwerk über das identische Musikincipit auffindet. Darüberhinaus stellten Kolleginnen und Kollegen immer wieder ihre eigenen Forschungsergebnisse zur Verfügung, auch wenn sie noch nicht publiziert waren. 485 Einträge sind aber immer noch nicht identifiziert, was einem Anteil von knapp 20% entspricht. Es gibt also noch viel zu tun, was die Idenitfizierung anonymer Quellen anbelangt. Konkordanzen zum handschriftlichen Bestand in Jasna Góra finden sich selbstverständlich in Polen, aber auch häufiger in Tschechien, der Slowakei sowie in Österreich und Süddeutschland.

Der handschriftliche Quellenbestand beinhaltet ein internationales Repertoire mit Kompositionen von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Anton Diabelli, Gioacchino Rossini, Ignaz Pleyel und anderen neben vielen Werken polnischer, tschechischer, österreichischer und süddeutscher Provenienz. Hier sind vor allem die Komponisten Brixi, Elsner, Schiedermayr, Vanhal und Żebrowski zu nennen. Darüberhinaus gibt es Musik von wenig bekannten Kleinmeistern der Region. Der Katalog bietet zudem einen guten Überblick über die Musiker und Sänger der Klosterkapelle, über die Kopisten des Bestandes sowie über die Provenienzen vieler Quellen.

Das handschriftliche Aufführungsmaterial ist vorrangig in Stimmensätzen überliefert. Partituren sind selten. So manches Werk ist unvollständig erhalten. In knapp achthundert Einträgen fehlt mindestens eine Stimme. Darüberhinaus findet sich eine Reihe musikalischer Fragmente auf den Rückseiten vieler einzelner Stimmen. Der Autor Podejko hat dies mit eigenen Katalognummern für die Fragmente berücksichtigt.

Der Großteil der Werke ist religiöser Natur, bestimmt für den Gottesdienstgebrauch, oder für die religiöse Erbauung außerhalb der Gottesdienste. Ca. 20% des Bestandes bilden Messen, gefolgt von Litaneien, Vespern und kleinen sakralen Vokalwerken. Eine untergeordnete, aber nicht unwesentliche Rolle spielen weltliche Werke wie Opernouvertüren, Sonaten, Symphonien und Harmoniemusik.

 

Über Paweł Podejko (1914-1996)
Paweł Podejko
, geboren am 23.12.1914 im heute lettischen Daugavpils (pol.: Dyneburg) und verstorben am 15.06.1996 in Danzig, war ein ausgebildeter Musikwissenschaftler und Organist. Er wirkte viele Jahrzehnte als Dozent an der Danziger Stanisław Moniuszko-Musikakademie. Von 1923 bis 1945 lebte er in Vilnius und studierte am dortigen Konservatorium in den Jahren 1940–1941 und von 1944–1945. Neben parallelen Studien an der Krakauer Jagiellonen-Universität nahm Podejko auch privat Musikunterricht. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er nach Bydgoszcz. Dort übernahm er an der Pfarrkirche St. Vinzenz von Paul die Leitung des Kirchenchores „Vincentinum” und die dortige Organistenstelle von 1946-1948. Seit 1950 unterrichtete er am Staatlichen Musikgymnasium in Bydgoszcz. Er studierte an der Staatlichen Musikhochschule „Państwowej Wyższej Szkole Muzycznej (PWSM)” in Łódż weiter und erwarb dort 1951 sein Orgeldiplom, an der Posener Universität im Jahre 1957 ein Diplom in Musikwissenschaften. Podejko promovierte 1971 an der Warschauer Universität über die Geschichte der Musikkapelle des Paulinerkosters von Jasna Góra in Tschenstochau. Seine Doktormutter war Zofia Lissa. Der Titel seiner Arbeit lautet: Kapela wokalno-instrumentalna zakonu paulinów na Jasnej Górze w Częstochowie”. Seit 1953 war er mit der Danziger Musikakademie als Dozent verbunden. Von 1969–1971 war er dort Dekan für den Fachbereich Musikpädagogik und von 1971–1975 Dekan für den Fachbereich Komposition und Musiktheorie. Die Stelle des Prorektors hatte er von 1975–1982 inne. Im hohen Alter wurde Paweł Podejko 1995 zum Musikprofessor ernannt. Der Autor beschäftigte sich zeit seines Lebens mit der Musikhistorie des Paulinerklosters Jasna Góra. Neben der Musikgeschichte Polens galt sein besonderes Augenmerk auch den musikalischen Landschaften Pommerns, Kujawiens und Großpolens.

Mehr zu Podejko finden Sie auf Gedanopedia.

 

 

Abbildung: Jasna Góra, photo by Damian27 via Wikimedia Commons

 

 

 

Kategorie: Bibliotheksbestände



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