Musik am Hofe von Maria Stuart, König von Schottland

Maria Stuart, Königin von Schottland (1542-1587) ist eine komplexe und in vielerlei Hinsicht tragische Figur. Nach einer Kindheit in Frankreich, übernahm sie im Alter von 18 Jahren die persönliche Regentschaft über Schottland - einem Land, das sie kaum kannte. Während ihrer Herrschaft konnte sie keine Kontrolle über die politische Situation gewinnen und trat als Herrscherin wenig hervor. Sie war durch die enge Verbindung zu James Hepburn, Earl of Bothwell in den Mord an ihrem zweiten Ehemann Henry Stuart, Lord Darnley verwickelt. Nur drei Monate nach dessen Tod heirateten Maria Stuart und James Hepburn. Unter dem Verdacht der Verschwörung, des Mordes und des Ehebruchs musste Maria Stuart 1567 abdanken und floh nach England zu ihrer Cousine Queen Elizabeth. Im protestantischen England wurde die katholische Maria erneut mit Argwohn betrachtet und von politischen Intrigen verfolgt, was Elizabeth veranlasste Maria für fast zwei Jahrzehnte zu inhaftieren. Maria Stuart, Königin von Schottland wurde 1587 des Hochverrats für schuldig befunden und enthauptet.

Das Leben von Maria Stuart, deren 475. Geburtstag heute ist, bietet genügend dramatisches Material, um Komponisten (ganz zu schweigen von den Poeten, Dramatikern und anderen Künstlern) bis in unsere Gegenwart zu beschäftigen. Aber fangen wir mit Marias eigener Zeit an. Maria war selbst eine Musikerin und dafür bekannt, ihren Hof mit Musik zu erfüllen. Nachdem sie prägende Jahre in Frankreich verbracht hatte, konnte Maria singen und Laute, Virginal und Harfe spielen. Ihr Hof  war erfüllt von Gamben, Lauten, Blockflöten, Rohrblattinstrumenten, Trompeten und Hörnern. Der RISM Online-Katalog bietet zwei Quellen zum sogenannten "Queen Mary's dumpe", charakteristischen Instrumentaltänzen der Zeit.

Einige von Maria Stuart Musikern waren mit ihrem Leben verbunden. David Rizzio (ca. 1530-1566) war Sänger und Instrumentalist, der schnell zu Marias Sekretär und Vertrautem aufstieg. Er wurde das Opfer eines sensationellen Mordes, der vor Maria stattfand und von keinem anderen als Darnley angezettelt wurde. Das Lied "The Lass of Patie's Mill" (bei RISM gibt es verschiedene Ausgaben) und andere volkstümliche schottische Lieder wurden unter Rizzios Namen im 18. Jahrhundert veröffentlicht, aber Wissenschaftler bezweifeln heute, dass Rizzio diese Melodien geschrieben hat. Die Zuschreibung an Rizzio mag darauf zurückzuführen sein, dass Maria Stuarts Hof in das Reich der Legenden eintrat. James Lauder (ca. 1535-ca. 1595) war Komponist und Instrumentalist und er und sein Sohn John folgten Maria während ihrer Flucht nach England. Beide blieben auch während der Gefangenschaft bei Maria Stuart.

In den vergangenen Jahrhunderten haben Komponisten Ereignisse aus Maria Stuarts Leben als Inspiration für musikalische Träumereien zur Königin von Schottland genommen. Einige der verwendeten Texte werden ihr zugeschrieben. In RISM ist Marias Abschied von Frankreich das erste große Ereignis, das vertont wurde. Einige der Adieus sind auf franzözisch (eine Sprache, die sie fließend beherrschte), einige sind auf deutsch und eins beginnt "O thou loved country where my youth was spent." Václav Jan Tomášeks Komposition beginnt mit ihrem Abschied und wechselt mit einer Klage über in die Gefangenschaft. Der Text "I sigh and lament me in vain", der sich in einigen Quellen von Tommaso Giordani findet, ist aus Marias Sicht "durch das Gitter meines Gefängnisses" geschrieben worden. Schließlich erreichen wir musikalisch Marias Hinrichtung. Das Gebet "O Domine Deus speravi in te" wurde von verschiedenen Komponisten vertont. Einige Quellen geben an, dass das Gebet während ihren letzten Stunden von Maria geschrieben wurde.

Das dramatische Leben der Maria Stuart, Königin von Schottland hat sich auch erfolgreich auf die Bühne transferiert. Friedrich Schillers Schauspiel Maria Stuart (1800) war die Vorlage für zahlreiche Opernvertonungen. Die berühmteste ist wohl die Maria Stuarda (1835) von Gaetano Donizetti. Weitere Komponosten, die sich auf Schillers Werk stützten, sind Rudolf Zumsteeg (1801), Karl Rungenhagen (1817), Saverio Mercadante (1821), Friedrich Wollank (19. Jahrhundert), Werner Egk (1932) und Günther Könitzer (1956). Thea Musgraves Oper (1977), basierend auf ihrem eigenen Libretto, ist nicht in RISM.

 

Literatur:
Jayne Elizabeth Lewis, Mary Queen of Scots: Romance and Nation (London: Routledge, 1998).
D. James Ross, Musick Fyne: Robert Carver and the Art of Music in Sixteenth Century Scotland (Edinburgh: Mercat Press, 1993).
Jenny Wormald, Mary, Queen of Scots: Politics, Passion and a Kingdom Lost (London: Tauris Parke, 2001)

Abbildung: "Mary, Queen of Scots, 1542-1587. Reigned 1542-1567," unbekannter Künstler, um 1610-1615. Scottish National Portrait Gallery, PG 1073, CC-BY-NC 3.0.

 



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