Joseph Jackson (1769-1808)

Unsere gelegentlich erscheinende Reihe RISM A-Z ist bei Buchstabe J angekommen. Diesmal blicken wir nach Jamaica auf den Komponisten und Missionar Joseph Jackson (1769-1808).

Joseph Jackson ist eine der wenigen Personen im RISM Online-Katalog mit einer Verbindung nach Jamaica. Der Sohn Herrnhuter Missionare aus England wurde  in der Herrnhuter Gemeine Old Carmel im Westen Jamaicas geboren, das Teil der britischen Westindischen Inseln war. Jacksons Eltern waren 1769 nach Jamaica gekommen, aber sein Vater verstarb bereits kurz danach. Joseph wurde einen Monat später am 11. oder 16. Dezember 1769 geboren. 1770 kehrte die Witwe Jackson mit ihrem Baby nach England zurück.

Jackson war in Fulneck (England), einer Herrnhuter Gemeine in der Nähe von Leeds, vor 1796 als Musiklehrer tätig. Er heiratete 1799 Rachael Oates (1771-1840) in Calverly, Yorkshire. Mit Beginn des Jahres 1800 diente das Ehepaar als Missionare in Jamaica und hatte vier Kinder. Die Jacksons liefen am 5. Februar 1800 als Teil eienr Flotte von etwa 100 Schiffen nach Jamaica aus und schlossen sich am 10. April - kurz vor Ostern - in Barbados weiteren Missionaren an. Am 24. April erreichten sie Jamaica und Jackson berichtet von seinen ersten Eindrücken im Tagebuch: "The distant view of the bay surrounded by mountains covered with beautiful verdure, had already delighted us from the ship." Sie landeten am Black River Bay und setzen eine 20-Meilenreise nach Carmel fort. Jackson schreibt, dass zwei Männer - Billy and Quaco -, die ihn auf dem letzten Stück begleiteten, "remembered my father & mother & me, an infant, very well, & rejoiced much to see me, as I did to see them."

Die Herrnhuter Missionarskirche in der Zuckerplantage Mesopotamia, die sich in der Westmoreland-Gemeinde befindet, bot Joseph Jackson und seiner größer werdenden Familie ein Zuhause für die nächsten acht Jahre. Richard S. Dunn beschreibt in A Tale of Two Plantations: Slave Life and Labor in Jamaica and Virginia (Cambridge, MA: Harvard University Press, 2014) das tägliche Leben. Mesopotamia war seit 1758 Herrnhuter Missionsstandort und gelangte 1790 in den Besitz von Joseph Foster Barham II. Zu diesem Zeitpunkt lebten und arbeiteten in dem Gebiet 300 Sklaven. Jackson war für die Gottesdienste, die von den Sklaven besucht wurden, zuständig. 40 von ihnen wurden getauft. Jackson starb am 8. oder 9. Dezember 1808.

Weder in Jacksons Tagebuch noch in Dunns Studie gibt es Hinweise darauf, welche Rolle die Musik im missionarischen Leben spielte. Aber der RISM Online-Katalog dokumentiert 17 Musikquellen zu Jackson. Die Manuskripte stammen nicht von Jacksons Hand und Vokalwerke sind überwiegend in Deutsch verfasst. Die meisten Manuskripte liegen heute im Unitätsarchiv der Evangelischen Brüder-Unität (D-HER) in Herrnhut, dem Hauptsitz der Kirche. Zu drei Werken gibt es Konkordanzen in Polen und Dänemark. Ein Vokalwerk ist nur in Polen vorhanden, das instrumentale Adagio dagegen nur in Dänemark.

Instrumentalmusik:
Adagio für Cembalo (1 Abschrift)

Geistliche Vokalmusik:
Bleibet in mir und ich in euch; Sopran, Streicher, Cembalo (1 Abschrift)
Er sende dir Hülfe vom Heiligtum; Chor, Streicher, Orgel (5 Abschriften, 1 in Polen)
Friede sei mit dir; Sopran, Streicher, Cembalo (2 Abschriften)
Go my soul go every day; Sopran, Streicher, Basso continuo (2 Abschriften, 1 in Polen)
O angenehme Augenblicke; Chor, Dembalo (5 Abschriften, 1 in Dänemark)
Wir flehen vor deinem Angesicht; Chor, Streicher, Basso continuo (1 Abschrift in Polen)

Die Manuskripte liefern nur ungefähre Daten, so dass wir nicht mit Sicherheit sagen können, wann die Kompositionen entstanden sind. Dunn schreibt, dass es zwei Jahre nach Jacksons Tod dauerte, um einen Nachfolger für ihn zu finden. In dieser Zeit verkam das Missionarshaus in Mesopotamien in einen baufälligen Zustand. Brachte Jackson Handschriften mit nach Jamaica und sind andere von ihm dort erhalten gebleiben? Die Forschung zu Jackson und anderen Herrnhuter Musikern aus dieser Zeit (viele ihrer Werke liegen im Unitätsarchiv und sind bei RISM beschrieben) kann Licht werfen auf die Rolle der Musik und die Werke im Leben der Kirchenmitglieder.

Besonderer Dank gilt Terry Shawe, Ur-Ur-Ur-Enkel von Joseph Jackson, für seine freundliche Unterstützung bei biographischen Details und der Zurverfügungstellung einer Kopie von Jacksons Tagebuch der Reise nach Jamaica.


Abbildung: "A New map of the island of Jamaica, from an actual survey" (London? 1773?). Library of Congress Geography and Map Division.

Kategorie: RISM A-Z



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