100 Jahre John Milton Ward

John Ward 1985 mit dem Foto von Charles Seeger am Eingang des Charles Seeger Room an der Loeb Music Library. (Foto: Jacob Wainwright Love)

Gastbeitrag von Andrea Cawelti, Ward Music Cataloger an der Harvard University’s Houghton Librarymit Ergänzungen zu den Ward-Quellen bei RISM von Christina Linklater, (Isham Memorial Library und Houghton Music Cataloger).

Die Übersetzung ist gekürzt, den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier.

 

Heute vor 100 Jahren wurde John Milton Ward, Stifter der Harvard Theatre Collection’s Ward Collection, geboren. Da ich einen großen Teil meiner Anfangszeit an der Harvard University mit ihm zusammengearbeitet habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen, einige Erinnerungen zu teilen. Ich begann im Jahr 2002 für John Ward zu arbeiten, also zu einem Zeitpunkt, wo seine Karriere als Professor und Musikwissenschaftler größtenteils hinter ihm lag (auch wenn er seine Tätigkeit als Lehrer nie gänzlich einstellte). Er nahm privaten Kompositionsunterricht bei Darius Milhaud und studierte Musikwissenschaftler an der University of Washington (M.M. 1942), Columbia University, und der New York University (Ph.D. 1953, "The vihuela de mano and its music").

John Ward in 1940, with Eileen McCall
John Ward im Jahr 1940, mit Eileen McCall, Musikprofessorin am San Francisco State College.


Die Professoren, die er mir gegenüber am häufigsten erwähnte, waren die Renaissance-Experten Otto Gombosi und Gustave Reese, sowie der Musikwissenschaftler Curt Sachs. Von 1947 bis 1953 war Ward Dozent an der Michigan State University und von 1953 bis 1955 Assistent und Dozent an der University of Illinois. 1955 trat er der Fakultät der Harvard University bei und wurde 1961 William Powell Mason Professor of Music.


Ward teaching ethnomusicology at the University of Illinois
Ward unterrichtet Musikethnologie an der University of Illinois.

Otto Gombosi hatte nach Wards Angaben den größten Einfluss auf seine Arbeit. Gombosi betonte immer wieder die Bedeutung der Primärquellen für die Bestätigung und Stärkung der eigenen Theorien und Forschung. Für Ward wurde dies zu einem Eckpfeiler für die eigene Forschung und Grundstein für seine Art, Quellen zu sammeln: Sein Ziel war es, Zugang zu jeder verfügbaren Form eines überlieferten Werkes zu erlangen. Gombosi war für ihn sowohl intellektueller als auch beruflicher Mentor.


The Wards in 1979
Die Wards im Jahr 1979.

John Wards Kurse an der Harvard University deckten ein sehr breites Spektrum ab. Auch wenn er den meisten Studenten vor allem für „Music 200“ (verbindlicher Einführungskurs für alle Musikstudenten) in Erinnerung bleiben wird, leitete er auch Kurse aus seinem eigentlichem Interessengebieten. Dazu gehören beispielsweise die Instrumentalmusik des 16. Jahrhunderts, Musikethnologie oder Bühnenmusik.


Ward in 1959
Ward im Jahr 1959. Während seiner Zeit als Dozent, spielte Ward Klavier, oft 4-händige Arrangements mit Studenten.

Eine der ersten größeren Stiftungen von Ward war die Gründung des Archive of World Music im Jahr 1976. Ward unterstütze außerdem die Einrichtung des Charles Seeger Raums an der Loeb Music Library für gedruckte und handschriftliche Quellen der Musikethnologie im Jahr 1985. Im selben Jahr zog sich John Ward vom aktiven Unterrichten zurück - zugunsten seiner Sammelaktivität und seiner persönlichen Forschung. In den 1990er Jahren begann er Material für spezielle thematische Bereiche zu spenden und stellte mehrere Forschungsassistenten ein, die seine Erwerbungen organisierten und dokumentierten.

Er sammelte Quellen zur Französischen Revolution, zu Lully und anderen französischen Gebieten. Als ich im Jahr 2002 anfing für Ward zu arbeiten, katalogisierte ich eine große Sammlung von Opern-Klavierauszügen, die er der Loeb Music Library geschenkt hatte. Diese Arbeit setzte ich in Houghton fort, wo ich auch anderes Aufführungsmaterial katalogisierte. Von Beginn meiner Anstellung an genoss ich von ihm mehr Unterstützung als für eine einfache Angestellte üblich: Ich bildete mich zur Opernsängerin aus und er führte mich indie Welt der Musikwissenschaft (aus dem Blickwinkel der Harvard University) ein. Seine Leidenschaft und akribische Liebe zum Detail machten aus mir eine bessere Katalogisiererin und erweiterten mein Blick auf die Musik. Ich habe darüber mehr in Gordon Hollis’s John Ward and his Magnificent Collection geschrieben, aber der anstehende 100. Geburtstag ließ mich mehr darüber nachdenken als üblich.


Ward photographed by George Evans
Ward fotografiert von George Evans, 1939

Ward starb friedlich in seinem Haus im Cambridge am 12. Dezember 2011 im Alter von 94 Jahren. Heute gibt es etwa 26.500 Einträge der Ward Collection im OPAC der Harvard Library. Auch im RISM-Onlinekatalog finden sich 2.369 Einträge, überwiegend aus der Serie A/II. Das Sigel US-CAward verzeichnet das Material aus Wards Privatsammlung, die Ward selbst katalogisieren ließ. Diese Quellen liegen nun in der Harvard Library. Im Jahr 2015 enstanden im Rahmen eines umfangreichen RISM-Katalogisierungsprojektes für die Ward-Quellen an der Harvard Theatre Collection Verzeichnisse für verschiedene große Sammlungen mit Auszügen aus Opern von Lully aus dem 18. Jahrhundert. Darüber berichtete RISM im August 2015.

Die Quellen der Ward Collection wurden in zahllosen Artikeln und Büchern zitiert. Die Bereiche Musikethnologie, Ballett, Gesellschaftstanz und Operetten sowie Musicals, die bis zu Beginn von Wards Sammeltätigkeit nicht Teil der Forschungsarbeit waren, wurden nun intensiv untersucht und die Harvard-Sammlungen gehören dank ihm zu den besten in der Welt. Und woran denke ich selbst am Tag seines 100. Geburtstags? Ich vermisse ihn. Er sagte oft, er hatte einfach das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ich denke, er selbst hat es dazu gemacht. Wir sind die Glücklichen, weil wir darin leben dürfen. Auf ein weiteres Jahrhundert mit der Ward Collection!


Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Harvard University.

 

Kategorie: Bibliotheksbestände



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