Thematischer Katalog der Musiksammlung Clam-Gallas

Die folgende Ankündigung einer Neuerscheinung erhielten wir von unserer Kollegin Eliška Šedivá (RISM Tschechische Republik):

Catalogus collectionis operum artis musicae comitis Clam-Gallas (ed. Eliška Šedivá, translation of the introduction by Andy Letham), Prague: National Library of the Czech Republic, 2018. 4 vols (1456 pp.), in: Catalogus artis musicae in Bohemia et Moravia cultae. Artis musicae antiquioris catalogorum series; vol. X/1-4, ISBN 978-80-7050-698-1.

Die Musiksammlung Clam-Gallas aus Prag und Frýdlant ist eines der umfangreichsten Musikarchive in Böhmen und stellt ein reichhaltiges Quellenmaterial dar, das ein Bild der heimischen aristokratischen Musikkultur des 18. Jahrhunderts vermittelt. Sie entstand durch den Zusammenschluss mehrerer kleinerer Sammlungen. Sie besteht insbesondere aus dem Musikarchiv des Schlosses und der Harmoniemusik des Grafen Christian Phillip Clam-Gallas und der privaten Sammlung von Vokalmusik (insbesondere Opernmusik) seiner Frau Maria Caroline Josepha. Die Sammlung umfasst 1.572 Signaturen (inkl. Alben und Konvoluten), worunter sich insgesamt 2.223 Einzelwerke befinden.

Die Famile Clam-Gallas waren Liebhaber und Unterstützer der Musik. Zu den Mitgliedern dieser bedeutenden aristokratischen Familie gehörten eine Reihe talentierter Musiker, Sänger und Tänzer (und mindestens ein Komponist). Die Sammlung entstand hauptsächlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und teilweise zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Es handelt sich um Musikmanuskripte und Drucke, die überwiegend aus dem Ausland, aber merklich auch aus dem heimischen Inland stammen. Das Musikrepertoire besteht insbesondere aus Orchesterkompositionen (Symphonien, Konzerte oder Opern-Ouvertüren), während die Kammermusik durch Werke für Blasinstrumente vertreten ist, die im 18. Jahrhundert weit verbreitet waren (meist Partiten und Divertimentos für fünf, sechs oder mehr Spieler, d. h. die so genannte Harmoniemusik). Ein bedeutender Teil der Sammlung enthält Auszüge aus Opern, sowohl in der Originalfassung für Stimme und Orchester als auch für verschiedene Instrumentengruppen (Streichquartette, Bläserensembles usw.). 

Der größte Teil der Sammlung gehörte dem Musikarchiv des Schlösserensembles des Grafen Christian Phillip Clam-Gallas (1748-1805), das durch einen Periodenkatalog belegt ist, der vom Innenminister und Exekutivmusiker im Dienst des Grafen Johann Paul Speer zusammengestellt wurde. Er stellte die Sammlung auf und beschrieb sie ausführlich in einem handschriftlichen thematischen Katalog, der heute eine wichtige Quelle ist, die die Vielfalt des musikalischen Archivs des Clam-Gallas-Orchesters in Prag vor Ende des 18. Jahrhunderts und das Repertoire der heimischen Bläserharmonie dokumentiert. Christian Phillip behielt dieses Ensemble in seinem Prager Palast, während sein Sohn Christian Christoph es in sein Schloss in Frýdlant verlegte. Die Vokalmusik, insbesondere die Opernmusik, stellt eine weitere bemerkenswerte Gruppe von Musikquellen dar. Die Notensammlung der Ehefrau von Christian Phillip Clam-Gallas, Maria Caroline Josepha (geb. Sporck, 1752-1799), wurde ebenfalls durch die Pflege von J. P. Speer erstellt und enthält insbesondere diese Art von Musik. Diese beiden einzigartigen thematischen Kataloge stellen eine außergewöhnliche Hilfe bei der Beurteilung des aktuellen Zustands der Sammlung dar. Sie zeichnen ein Bild von den Bemühungen um eine systematische Organisation der großen Menge an spezifischem Material und stellen an sich die musikalischen Vorlieben der Besitzer und der historischen Musikpraxis dar. Bei der Erstellung des vorliegenden thematischen Katalogs wurde die ursprüngliche Organisation der Sammlung berücksichtigt und das System von Speer aus Sicht der Klassifikationen bis zu einem gewissen Grad eingehalten. 

Wie bereits erwähnt, wurde das Archiv für Musikaufführungen im Clam-Gallas-Palast in Prag genutzt, wo das Ensemble des Grafen tätig war und wo Christian Philip Clam-Gallas und seine Frau Caroline ein privates Theater bauen ließen. Vermutlich nach dem Tod des Grafen 1805 wurde die Musiksammlung auf das Schloss in Frýdlant verlegt, wo der Clam-Gallas-Archivist Dr. Josef Bergl (1874-1952) im 20. Jahrhundert versuchte, sie neu zu organisieren. Seit 1949 ist die Sammlung im Besitz und in der Obhut des Nationalmuseums des Tschechischen Musikmuseums. Umfassende Aufzeichnungen der Sammlung wurden 1967 für den Union Music Catalogue der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik zusammengestellt und 2016 für RISM neu erfasst. Der vorliegende thematische Katalog der Musiksammlung Clam-Gallas basiert auf den Beschreibungsregeln für den Union Music Catalogue und des RISM und bildet Band X des Catalogus artis musicae in Bohemia et Moravia cultae herausgegeben von der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik. 

Vokalmusik und vor allem dramatische Musik ist das am weitesten verbreitete Genre in der gesamten Sammlung. Opern, Singspiele oder Melodramen bilden eine der wichtigsten Säulen des Repertoires der Sammlung, während die zweite aus Symphonie, Konzert und Kammermusik besteht. Eine weitere wichtige Gruppe besteht aus Musik für die sogenannte Bläserharmoniemusik, d. h. Kammermusik für mehrere Blasinstrumente (in der Regel ein Werk für fünf bis acht Blasinstrumente). Die Sammlung enthält aber auch Kompositionen für bestimmte Besetzungen: ein Bläserquartett für Klarinette und drei Bassetthörner. Die Kammermusik wird auch durch Streichquartette (in einigen Fällen ergänzt durch einen Flötenpart) wesentlich repräsentiert. Auch Instrumentalkompositionen für Soloinstrumente (am häufigsten für Gitarren- oder Tasteninstrumente) haben hier einen wichtigen Platz, bilden aber eine relativ kleine Materialgruppe. Es überwiegen Komponisten aus Italien (die Sammlung umfasst insgesamt 93 Namen italienischer Komponisten), aber auch die Musik tschechischer (56), deutscher (56) und österreichischer (49) Komponisten ist gut vertreten. Die französische Musik ist mit 38 Komponisten vertreten.


Kategorie: Neuerscheinungen



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