Franz Lehárs musikalischer Nachlass in Bad Ischl

Den folgenden Beitrag erhielten wir von unserer RISM-Mitarbeiterin Sandra Föger (RISM Österreich):

Am 30. April 2020 jährt sich zum 150. Mal Franz Lehárs Geburtstag. Seine Werke sind bis heute auf den Bühnen der Welt sehr präsent. Seine Operetten wie die Lustige Witwe, Graf von Luxemburg, Zigeunerliebe, Paganini, Zarewitsch, Das Land des Lächelns oder Giuditta gehören noch heute zu den meist gespielten dieser Gattung.

Als ein Hauptvertreter der "Silbernen Operettenära", die durch eine wirtschaftliche Blüte und eine zunehmende Internationalisierung der Wiener Operette gekennzeichnet ist, komponierte Lehár über 20 Operetten. Darunter finden wir auch sein Werk, das ihm zu Weltruhm verhalf und zugleich den neuen Typus der „Tanzoperette“ hervorbrachte, Die Lustige Witwe (UA 1905). Mit weiteren neuen Formaten wie der "lyrischen Operette" prägte Franz Lehár maßgeblich die Entwicklung des Genres der Operette. So verzichtete er etwa bei Paganini auf das bis dahin übliche "Happy-End" und setzte auf opernhaftes Sentiment und Pathos.

Der Operettenkomponist besaß eine Villa in Bad Ischl (nahe Salzburg, siehe Abbildung) und vermachte diese samt Inventar testamentarisch der Stadtgemeinde mit der Auflage, ein Museum daraus zu machen. Ab 1902 hatte Lehár seine Sommer in der sogenannten „Operettenbörse“ Ischl verbracht, denn damals verlagerte sich jährlich in den Sommermonaten das Wiener Theaterleben ins Salzkammergut. In Ischl trafen u.a. Operettenkomponisten, Librettisten, Sänger, Regisseure und auch Theaterunternehmer zusammen, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen sowie um neue Projekte zu planen. 1910 kaufte Lehár in Ischl die Villa der Herzogin Sabran, bis zu seinem Tode verbrachte er hier dann beinahe jeden Sommer. In seiner Villa verstarb er schließlich am 24. Oktober 1948.

Der in Bad Ischl befindliche musikalische Nachlass umfasst u.a. Autographe, Skizzen und Skizzenbücher, Fragmente und Druckvorlagen sowie auch Studienwerke. Dieser Teil des Bestandes mit dem Sigel A-ISCHsta (Standort Stadtgemeinde Bad Ischl) ist noch nicht öffentlich zugänglich.

Seit den 1990er Jahren ergänzt ein umfangreicher Notenbestand des Wiener Glocken-Verlages, den Lehár 1935 selbst gegründet hatte, die Musikalien der Lehár-Villa. Eine stattliche Anzahl an Drucken (Partituren, Orchestermaterial, Klavierauszüge, Libretti, Regiebücher etc.) belegen die Beliebtheit und den vielfältigen Einsatz (Bearbeitungen für Militärmusik, Salonorchester, Wiener Quartett, Einzelausgaben etc.) der Werke Lehárs. Dieser Verlagsbestand wurde bereits großteils in die Datenbank eingearbeitet, er ist unter dem Sigel A-ISCHlv (Standort Lehár-Villa Bad Ischl) einsehbar.

Bisher sind in der RISM-Datenbank aus dem Notenbestand des Lehár-Nachlasses über 700 Signaturen dokumentiert. Der Großteil des Bestandes ist bereits öffentlich abrufbar. Bis Ende des Jahres soll der gesamte Bestand auf RISM abrufbar sein.  


Abbildung: Die Franz Lehár Villa in Bad Ischl. Foto von Toffel über Wikimedia Commons.

 

Kategorie: Bibliotheksbestände



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