Der Fondo Cappella Sistina in RISM

Ein Beitrag von Thomas Schmidt (Dean of Music, Humanities and Media, Professor of
Musicology, University of Huddersfield | Queensgate)


Die Katalogisierung der musikalischen Quellen des Fondo Cappella Sistina in der Biblioteca
Apostolica Vaticana geht zurück auf ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Ludwig
Finscher, das zwischen 1998 und 2002 von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
gefördert wurde. Die Arbeiten an einem neue Standards setzenden Catalogue raisonée des
Fondo fanden zwischen 1995 und 2002 durch Thomas Schmidt (Handschriften) und
Gottfried Heinz (Drucke) statt, mit einer geplanten Buchveröffentlichung in der Reihe der
Kataloge der vatikanischen Bibliothek, zu der es allerdings aufgrund des Endes der
Projektfinanzierung und personeller Veränderungen nicht mehr kam. Es ist daher um so
erfreulicher, dass die Daten nunmehr im Kontext von RISM Online endlich öffentlich
zugänglich sind.


Da das Projekt vor seiner Vollendung abgebrochen wurde, ist auch die Datendichte der
einzelnen Einträge sehr unterschiedlich. Vollständig und in der für den gedruckten Katalog
anvisierten Detailgenauigkeit erfasst sind alle Nummern bis CS 80 sowie alle vor 1600
kopierten Handschriften mit mehrstimmiger Musik (die ebenfalls katalogisierten
Choralhandschriften des Fondo sind, da nicht Teil von RISM, hier nicht abrufbar). Für die
übrigen Nummern stellt der Katalog die Basisdaten zum Kodex sowie zum Repertoire bereit,
in erster Instanz aus der Veröffentlichung von José Maria Llorens (Capellae Sixtinae codices
musicis notis instructi sive manu scripti sive praelo excussi, Roma 1960; RISM-Kurztitel:
LlorensS 1960) übernommen und nur partiell aktualisiert.


Die Breite und Tiefe der kodikologischen and paläographischen Daten (inklusive
Lagenstruktur, Seitenpräparation, Schriftspiegel, Layout, Notation, Erhaltungszustand etc.)
geht für die vollumfänglich erfassten Nummern über das Katalogisierungsschema von RISM
weit hinaus; diese Informationen sind im Bemerkungsfeld zugänglich. Die detaillierten
Beschreibungen beruhen grundsätzlich auf einer Autopsie der Kodizes in der Biblioteca
Apostolica Vaticana, bis auf wenige Ausnahmen, wo der schlechte Erhaltungszustand der
Bände dies unmöglich machte; diese Autopsie erfolgte in den Jahren 1995 bis 2002 und
repräsentiert daher den entsprechenden chronologischen Stand der Sammlung. Dies ist
insofern von besonderer Bedeutung, als etliche der fraglichen Kodizes – fast alle auf Papier
kopiert und in oft prekärem Erhaltungszustand – in der Zwischenzeit eingreifend restauriert
und neu gebunden wurden (letzteres, da die Handschriften fast alle aus bei der Bindung zu
künstlichen Bifolia zusammengeführten Einzelblättern bestehen, oft unter Verlust der
originalen Lagenstruktur). Die Beschreibungen fixieren in diesen Fällen einen älteren, dem
Original oft näher stehenden und in jedem Fall verlorenen Status des Kodex.


Abbildung: Ambrogio Brambilla, La Cappella Sistina

 

Kategorie: Bibliotheksbestände



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