Ein Werkverzeichnis zu Pietro Nardini

Neu in unserem Bücherregal steht das Werkverzeichnis zu Pietro Nardini:

Federico Marri / Marie Rouquié, Pietro Nardini (1722-1793) da Livorno all’Europa: Catalogo tematico delle opere, Treviso: Diastema 2017. 764 S., ISBN 978-88-96988-46-6.

Der Komponist und Violinist Pietro Nardini (12. April 1722, Livorno – 7. Mai 1793, Florenz) war der bedeutendste Schüler von Giuseppe Tartini in Padua. Von 1734 bis 1740 erhielt er dort eine grundlegende Ausbildung für seine anschließende langjährige Unterrichts- und Konzerttätigkeit, die ihn nach Wien, Dresden, Braunschweig und an den Stuttgarter Hof führte. 1768 trat er in engen Kontakt mit dem toskanischen Hof und wurde ein Jahr später zum Konzertmeister der Kapelle von Pietro Leopoldo (dem späteren Kaiser Leopold II.) ernannt. Nardini zählte zu den angesehenen Persönlichkeiten des Musiklebens und war unter dem Namen Terpandro Lacedemone Mitglied der Arcadia.

Charles Burney berichtet über Nardini in seinem  Tagebuch einer musikalischen Reise durch Frankreich und Italien (London, 1771):

"Montag, den 10ten Sept. [1770]. Diesen Nachmittag hatte ich das Vergnügen, den Herrn Nardini [...] in einem Concerte, in eines Engländers, Herrn Hempsons Hause zu hören, wobey eine zahlreiche Gesellschaft war. […] Sgr. Nardini gab uns ein Solo und ein Concert von seiner eignen Arbeit, in einer Manier, die nichts zu wünschen übrig ließ. Sein Ton ist egal und sanft; nicht überlaut, aber rund und fest; er hat ungemein viel Ausdruck im Adagio, und man sagt, den habe er glücklich seinem Meister, Tartini abgelernt. Was die Schwierigkeiten anbetrifft, so erregt er mehr Beyfall und Vergnügen, als Bewunderung. Kurz, er scheint mir der beste Violinspieler in ganz Italien zu seyn, und nach meinem eignen Gefühle und Urtheile, ist sein Styl delicat, gut gewählt und sehr gefeilet." (S. 185-186).

Mit der vorliegenden Neuerscheinung wird Pietro Nardinis Leben und Wirken grundlegend wissenschaftlich aufgearbeitet sowie ein Gesamtüberblick gegeben. Dem Essay von Rouquié über die Bedeutung der Werke Nardinis für den heutigen Interpreten folgt eine ausführliche Biographie Nardinis. Weitere Kapitel widmen sich den Schülern von Nardini, der Datierung und Überlieferung der Werke, den autographe Briefen und Porträts von Nardini. Eine ausführliche Bibliographie, sowie eine Sigelliste, Titel- und Namensregister runden die Publikation ab. Den Hauptanteil des Buches macht das Werkverzeichnis aus.

Das Verzeichnis (RISM Kurztitel: MarN) ersetzt die veraltete Studie von Clara Pfäfflin: Pietro Nardini, seine Werke und sein Leben, Stuttgart 1935 (RISM Kurztitel: PfäN).

Die Anordnung der Werke erfolgt nach der Besetzung. Auf eine römische Ziffer folgt ein Kleinbuchstabe. So steht römisch I für Kompositionen mit Violine, das kleine d kennzeichnet die Werke für zwei Violinen und Bass und die weitere Sortierung erfolgt nach den Tonarten (Beispiel: Id, Re3 = Minuetto in D-Dur Nr. 3 für zwei Violinen und Bass). Den größten Part im Oeuvre Nardinis nehmen die Werke für Violine und Bass (Gruppe Ib, S. 246-366) ein. Hier wäre eine differenzierte gewählte Kopfzeile - anstelle von „Catalogo tematico – Opere per violino“ - hilfreich beim Auffinden der einzelnen Werke.

Die Informationen zu jedem Werk sind sehr ausführlich. Auch die Beschreibung der einzelnen Drucke und Sammlung ist sehr detailliert. Marri hat akribisch jede - bis zum Zeitpunkt der Publikation des Werkverzeichnisses erschienene - Edition für ein Werk eruiert und aufgelistet.

 

Der RISM Online-Katalog verzeichnet 280 Ergebnisse zu Pietro Nardini. Darunter befinden sich zwei fragliche Zuschreibungen: eine an Pietro Nazari und eine an Pietro Antonio Locatelli. Die Einträge sind kürzlich um die Werkverzeichnisangabe ergänzt und überarbeitet worden.

Wir danken den Autoren und dem Verlag für die freundliche Überlassung eines Belegexemplars.

 

Abbildung: Porträt von Pietro Nardini (ca. 1782), via Gallica.

Kategorie: Neuerscheinungen



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