Hindemith 2020

"Paul Hindemith, Werkverzeichnis 1939-1954". © Fondation Hindemith, Blonay (CH)

Der folgende Gastbeitrag stammt von Susanne Schaal-Gotthardt (Direktorin des Hindemith Instituts, Frankfurt am Main):

Paul Hindemith (1895-1963) war zeitlebens ein sorgfältiger Archivar: Seit seinen Studienzeiten führte er Werkverzeichnisse, in denen er zusätzlich zu den Werkangaben auch Informationen über ihre Entstehung und Drucklegung festhielt. Später notierte er darin außerdem vielfach den Verbleib von Skizzen und Autographen. Zum großen Teil befanden sich diese Materialien im Archiv des Schott-Verlags in Mainz oder in Hindemiths eigenem Besitz. Einige davon verschenkte er aber bereits zu seinen Lebzeiten – darunter etwa das Autograph der im Spätsommer 1923 entstandenen Kanonische Sonatine für zwei Flöten op. 31 Nr. 2, die er dem Begründer der Donaueschinger Musikfeste, Maximilian Egon II., Fürst zu Fürstenberg, zu dessen 60. Geburtstag gewidmet hatte. Die autographe Partitur des Cellokonzerts (1940) gelangte 1952 als Geschenk an den Hamburger Senat, der Hindemith mit dem Bach-Preis ausgezeichnet hatte.

Zwei Jahre zuvor hatte Hindemith beim Hamburger Bachfest die Rede Johann Sebastian Bach – Ein verpflichtendes Erbe gehalten. Im Zuge der Publikation dieser Rede erbat er von dem Schweizer Arzt und Autographensammler Robert Ammann (1886-1960) das Faksimile eines Bach-Briefes, das dieser in seiner Sammlung aufbewahrte. Ammann kam Hindemiths Bitte nach und bekam als Geste der Dankbarkeit seinerseits einige autographe Skizzenblätter von Hindemith geschenkt. Sie entstammten einem Ringbuch mit dem Titel Skizzen 41-42, in dem sich unter anderem Skizzen zu Klavierliedern nach deutschen, französischen, englischen und lateinischen Gedichten befinden. Auf den an Ammann verschenkten Blättern sind die folgenden Lieder skizziert: Trübes Wetter (Gottfried Keller), Wer wußte je das Leben recht zu fassen (August von Platen), Abendwolke (Conrad Ferdinand Meyer), O Grille, sing (Max Dauthendey), Ich will Trauern lassen stehn (Anonym) und Eau qui se presse (Rainer Maria Rilke).

Reinschriften der hier skizzierten deutschen Lieder fertigte Hindemith im Juli 1942 in seinem US-amerikanischen Ferienort Chatham/Massachusetts an und schenkte sie seiner Frau Anfang August zum Geburtstag; wenige Tage später schrieb er auch das französische Lied ins Reine. Keines der im Ringbuch Skizzen 41-42 notierten Klavierlieder wurde zu Hindemiths Lebzeiten veröffentlicht.

Das Ringbuch, das heute 126 Blätter umfasst, befindet sich in Hindemiths Nachlass; die an Robert Ammann verschenkten Blätter werden in der Bibliotheca Bodmeriana der Fondation Martin Bodmer (CH-CObodmer) in der Schweiz aufbewahrt.

Abbildung: Seite aus dem Werkverzeichnis mit einer Eintragung zur Schenkung des Cellokonzerts. 

 

 

 

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