10 Jahre RISM Online-Katalog

Heute

Vor 10 Jahren

Im Juni vor zehn Jahren konnte zum ersten Mal der kostenlose RISM Online-Katalog freigeschaltet werden. Seither ist nicht nur die Datenmenge erheblich angestiegen, auch wurde die Software regelmäßig upgedated und erweitert.

Die Datenmenge ist gestiegen von ursprünglich 700.000 Titel mit Beschreibungen von Musikhandschriften auf zuletzt 1.215.413 Titel mit Beschreibungen von gedruckten und handschriftlichen Quellen, sowie zusätzlich 138.639 Personennamen und 60.970 Institutionen aus den Normdateien.

Die Software basiert auf dem Bibliotheksprogramm TouchPoint from OCLC. Suche und Darstellung der RISM-Daten wurde eingerichtet und seither viele weitere Erweiterungen ergänzt: zuletzt wurde die Benutzung über Smartphones und Tablets ermöglicht, die Normdateien als Datenbanken eingebunden, spezielle Darstellungsmöglichkeiten für Drucke inclusive Teileinträgen bei Sammeldrucken ermöglicht. Besonders beliebt ist die Verlinkung auf digitale Ressourcen, über die man direkt Reproduktionen der Quellen benutzen kann. Für die nächsten Jahre ist neben vielen kleineren Verbesserungen die Erschließung der Daten über eine Werkebene vorgesehen.

All das ist nur möglich dank einer Kooperation des RISM mit den beiden großen deutschen Bibliotheken, der Staatsbibliothek zu Berlin und der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Dabei ist die Bayerische Staatsbibliothek federführend bei der Softwareentwicklung, die sie dank einer Finanzierung durch das Förderprogramm Fachinformationsdienste der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchführen kann.

Die Publikation der RISM-Daten hat eine längere Geschichte.

Zusammen mit der GID (Gesellschaft für Information und Datenverarbeitung, Darmstadt) hatte die Zentralredaktion (damals noch in Kassel) 1984 und 1986 Mikrofiches (weiß man heute noch, was das war?) herausgegeben. Sie enthielten aber nur einen Auszug aus den Daten: Komponist, Titel, Besetzung, Tonart, Opus, Bibliothekssigel und Signatur. Während bei der ersten Ausgabe ein Microfiche ausreichte, mussten die Daten bereits bei der zweiten auf zwei Fiches verteilt werden. Für den dritten Mikrofiche hatten wir und vorgenommen, auch die Musikincipits als Grafik und möglichst auch einen Index der Incipits einzubeziehen. Dank der Entwicklung von Norbert Böker-Heil konnten wir die Grafik aus dem Plaine & Easie Code herstellen, und mit einem Plotter ausdrucken. Die Ausgabe auf Mikrofiche war aber nicht möglich. So wurde vorgeschlagen, eine Papiervorlage herzustellen und diese zu verfilmen. Der Aufwand wäre immens gewesen und hätte zu mehr als 20 Microfiches geführt, womit die Ausgabe auch schwer zu händeln gewesen wäre. Letztlich war das nicht bezahlbar und musste aufgegeben werden.

Diese Versuche verschlangen viel Zeit bis erst Mitte der 90er Jahre eine Lösung gefunden wurde und 1995 die erste CD-ROM erschien. Die RISM-Daten waren damals noch nicht in einem Bibliotheksformat, und die Standard-Software konnte in der Regel die diakritischen Zeichen nicht darstellen, vor allem aber war die Musikincipitdarstellung nicht möglich, ganz zu Schweigen von Suchen nach Incipits. Der Entwicklung vorausgegangen war eine Vereinbarung mit dem Saur-Verlag, der einen großen Teil der Kosten trug. Realisiert wurde sie durch Erweiterung des damaligen Erfassungssystems PIKaDo, das zu einer passiven Version wurde, mit der die Suchen und die Anzeige der Daten auf der CD-ROM vorgenommen wurde. Das funktionierte ganz gut und insbesondere der Musikincipitindex war eine Besonderheit, die noch heute fehlt. RISM hat dann 15 Jahre lang jedes Jahr eine CD-ROM herausgegeben. Es blieb bei einer CD-ROM, wenn auch die Daten wegen ihrer Menge später  komprimiert werden mussten. Übrigens hätte die Kapazität der CD-ROM damals nicht ausgereicht, wären die Musikincipits als Grafikdateien abgespeichert worden. Sie wurden bei Anzeige on the fly mit einem Programm generiert. Das geschieht heute noch im RISM-OPAC mit Hilfe des Programms Verovio. 

Eine andere Entwicklung war die Internetdatenbank an der Harvard University. Auf Betreiben des Leiters der US-Arbeitsgruppe, John Howard, stellte die Universität einen Server zur Verfügung. John bat darum, die RISM-Daten darauf kostenlos im Internet veröffentlichen zu dürfen und das wurde vom Vorstand zugesagt. Die Datenbank wurde aber nur einige Jahre betrieben, dann hat die Universität die Kosten nicht mehr tragen wollen. Da RISM aber auch im Internet präsent sein wollte, wurde uns die Firma NISC Baltimore vermittelt. Die hohen Kosten, die mit der Umwandlung unserer PIKaDo-Daten zu einem Internet-Angebot verbunden waren, konnte nur eine Firma aufbringen. So war das Angebot von NISC, das 2002 erschien, nicht mehr kostenlos. NISC hatte damals auch die RILM, die RIPM und später die IPM Datenbank im Programm. Alle drei wurden dann an EBSCO verkauft, wo sie heute noch sind. Weil sie kostenpflichtig sind, sind sie in Europa außerhalb der Fachwelt nicht so präsent.

Der kostenlose RISM OPAC stellt die zentrale Publikation der Daten dar. Das Bestreben, auch die in Buchform erschienen Publikationen darin verfügbar zu machen, hat bisher zur Übertragung der Einträge aus der Serie A/I (14 Bände) und des Bandes B/I geführt, wobei viele Daten bereits überarbeitet wurden. Neben dem Band B/II wäre auch eine Überführung der Daten des Bandes B/VI: Écrits imprimés concernant la musique wünschenswert. 

In den nächsten Jahre soll ein komplett neuer Zugang zu den Daten über die Werke ermöglicht werden. Ausgangspunkt wird die in manchen Bibliotheken bereits eingeführte Werknormdatei sein. In ersten Versuchen hat sich die Zentralredaktion an VIAF orientiert, untersucht nun aber intensiv die Möglichkeiten der Gemeinsamen Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek. 

Klaus Keil
im Juni 2020

 

Kategorie: RISM Online-Katalog



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