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REPERTOIRE INTERNATIONAL DES SOURCES MUSICALES
(RISM)

Zentralredaktion Frankfurt

Jahresbericht 2012

Träger: Internationales Quellenlexikon der Musik e.V., Kassel. Ehrenpräsident: Dr. Harald Heckmann, Ruppertshain; Präsident: Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Wolff, Cambridge/ Leipzig; Vizepräsidentin: Catherine Massip, Paris; Sekretär: Dr. Wolf-Dieter Seiffert, München; Schatzmeister: Prof. Dr. Klaus Pietschmann, Mainz; kooptierte Vorstandsmitglieder: Prof. Dr. Ulrich Konrad, Würzburg; Prof. Dr. John H. Roberts, Berkeley. Commission Mixte (Delegierte von AIBM und SIM): Chris Banks (AIBM); Prof. Dr. Sergio Durante (SIM), Massimo Gentili-Tedeschi (AIBM); Prof. Dr. Ulrich Konrad (SIM); Dr. John B. Howard (AIBM); Prof. Dr. Andrea Lindmayr-Brandl (SIM), Catherine Massip (AIBM); Dr. habil. Christian Meyer (SIM); Prof. Dr. Pierluigi Petrobelli (SIM); Prof. Dr. John H. Roberts (AIBM); Prof. Dr. Jürg Stenzl (SIM, bis Juli 2012); Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Wolff (SIM).
Leiter der Zentralredaktion: Klaus Keil, Frankfurt.

Anschrift: Internationales Quellenlexikon der Musik, Zentralredaktion an der Universi­täts­bibliothek Johann Christian Senckenberg, Sophienstraße 26, 60487 Frankfurt am Main, Tel.: 0049 69 706231, Fax: 0049 69 706026, E-Mail: contact@rism.info, Internet: http://www.rism.info.

Verlage: für Serie A/I, für die Bände VIII,1 und 2 der Serie B sowie für Serie C: Bären­reiter Verlag, Kassel; für Serie A/II, Internetda­ten­bank: EBSCO Publishing, Inc., Birmingham, USA; für Serie B (ohne Bände VIII,1 und 2): G. Henle Verlag, München.

Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Dr. Martina Falletta, Stephan Hirsch, Klaus Keil, Guido Kraus, Alexander Marxen, Jennifer Ward, Isabella Wiedemer-Höll.

Das Internationale Quellenlexikon der Musik (Répertoire International des Sources Musicales – RISM) mit der Zentralredaktion in Frankfurt steht unter dem Patronat der „Association Internationale des Bibliothèques, Archives et Centres de Documentation Musicaux“ (AIBM) und der „Société Internationale de Musicologie“ (SIM) und hat die Aufgabe, weltweit die gedruckte und handschriftliche Überlieferung der Musik zu dokumentieren. In einer Serie A/I werden zwischen 1600 und 1800 erschienene Einzeldrucke, in einer Serie A/II die Musikhandschriften nach 1600 mit einer ausführlichen Beschrei­bung inklusive der Fundorte nachgewiesen. Beide Serien sollten ursprünglich wie in den Bänden der Serie A/I alphabetisch nach Komponistennamen angeordnet sein. Da inzwischen beide Serien als Datenbanken veröffentlicht werden, können weitaus mehr Zugriffs­mög­lich­keiten angeboten werden. Die Serie B ist für Spezialrepertorien vorgesehen wie z. B. Sammel­drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts, das deutsche Kirchenlied, musiktheoretische Quel­len in lateinischer, griechischer, arabischer, hebräischer und persischer Sprache usw. Die Serien A/I, A/II und B werden durch eine Serie C, das Directory of Music Research Libraries, ergänzt.
Series A/I: Erschienen in 9 Bänden, 4 Supplementbänden, einem Registerband und als CD. Die CD-ROM zur Serie A/I ist im Dezember 2011 erschienen. Sie enthält alle Einträge der Bände 1–9 und 11–14.
Series B: Im Rahmen dieser Reihe sind bisher 31 Bände erschienen; zuletzt RISM B/XIII,1: Hymnologica Slavica. Band I, Hymnologica Bohemica, Slavica, Polonica, Sorabica. Notendrucke des 16. bis 18. Jahrhunderts. Bearbeitet von Karol Hławiczka, Jan Kouba, Leon Witkowski, Jan Raupp, Marie Skalická. (Revidiert und ergänzt von Teresa Krukowski und Gerhard Schuhmacher), München 2012.
Für den Band B/I, Sammeldrucke, wurde von Howard Mayer Brown eine Überarbeitung der Einträge von Quellen, die zwischen 1500 und 1550 erschienen sind, vorbereitet. Diese Überarbeitung wird nicht als Buch erscheinen, sondern soll in den Online-Katalog überführt werden.
Bereits 1979 bis 1986 wurden 3 Sonderbände „Das Tenorlied“ publiziert.
Series C: Bisher erschienen fünf Bände sowie ein Sonderband „RISM-Bibliothekssigel-Gesamtverzeichnis“, herausgegeben 1999 von der RISM-Zentralredaktion. Inzwischen wird über die RISM-Website eine Datenbank der Bibliothekssigel zur Suche angeboten, die auch Kontaktdaten wie Postadresse, Link zur Website und E-Mail-Adresse enthält. Von dort aus kann auch der Bestand einer Institution im RISM Online-Katalog direkt angesehen werden. Im Rahmen der Buchpublikationen konnten zuletzt in Zusammenarbeit mit dem Publications Committee der AIBM die revidierten Bände II und III,1 herausgegeben werden. Sie ersetzen die Bände II und III mit Ausnahme des Teils, der die italienischen Sigel enthält. Diese sind für einen Band III,2 vorgesehen, der in Vorbereitung ist.
Series A/II: In dieser Serie werden Handschriften mit mehrstimmiger Musik, die nach 1600 entstanden sind, komplett erfasst und erschlossen. Sie bildet den umfangreichsten Komplex des gesamten RISM und gegenwärtig den Schwerpunkt seiner Arbeit. Dafür werden von Arbeitsgruppen in mehr als 30 Ländern Titelaufnahmen von Musikhand­schriften vor Ort in den Bibliotheken und Archiven erarbeitet. Die Ländergruppen erstel­len ihre Beschreibungen mit dem Computer und arbeiten in der Mehrzahl über das Internet direkt in den Server des RISM. Dazu stellt die Zentralredaktion das Erfassungsprogramm Kallisto kostenlos zur Verfügung. Die Übermittlung von digitalisierten Informationen minimiert den redaktionellen Aufwand und hilft, die Fertigstellung des Projektes zu beschleunigen.

Seit Beginn des Projektes wurden ca. 850.000 Titelaufnahmen in die RISM-Zentralre-daktion nach Frankfurt gemeldet.

Folgende Arbeitsgruppen haben im Jahr 2012 ihre Titelaufnahmen mit Kallisto erfasst: Belgien: 15 Titel; Deutschland, Dresden: 4.381 Titel, München: 10.767 Titel, Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin: 2.657 Titel; Italien, Rom (DHI): 50 Titel; Kanada: 5 Titel; Litauen: 11 Titel; Mexiko: 386 Titel; Österreich, Innsbruck: 687 Titel, Lambach: 109 Titel, Linz: 589 Titel, Salzburg: 441 Titel + 31 Titel (Mozarteum), Vorarlberg: 18 Titel, Wien (Akademie der Wissenschaften): 834 Titel, Schlägl: 157 Titel; Polen, Breslau: 40 Titel, Warschau: 231 Titel; Slowakei: 22 Titel; Slowenien: 249 Titel; Südkorea: 233 Titel; Tschechien, Brünn: 332 Titel, Prag: 2.046 Titel; Venezuela: 1 Titel.Aus Russland wurden noch 251 Titel auf Karteikarten übersandt; von der Zentralredaktion 511 Titel aus Altbeständen in Kallisto eingegeben.

Manche Arbeitsgruppen benutzen ein eigenes System und liefern teilweise erst nach einer längeren Vorlaufzeit ihre Daten. Im Einzelnen sollen hier genannt werden:

England/Vereinigtes Königreich: Gemeinsam mit der RISM-Arbeitsstelle in Irland wurde eine Da­tenbank der Musikhandschriften aufgebaut, auf die man im Internet
(www.rism.org.uk) kostenlos zugreifen kann. Im ersten Halbjahr 2011 konnten 55.000 der dort an­gebotenen Titel nach Konvertierung in die Datenbank des RISM übertragen werden. Im Dezember 2011 wurden die Daten im RISM Online-Katalog veröffentlicht.

Schweiz: Die Schweizer Arbeitsgruppe hat die Umstellung auf Kallisto nicht mitvoll­zogen, son­dern benutzt ein eigenes Programm, das das Datenmodell der Britischen Ar­beits­gruppe verwendet. Ein Datenaustausch ist zugesagt. Er wird nach Abschluss des Daten­austausches mit der Britischen Arbeitsgruppe auf der Basis der dafür gemachten Entwicklungen eingerichtet.

Frankreich: In der Bibliothèque Nationale in Paris wurde eine Datenbank der haus­eigenen Musik­handschriften erstellt, aus der bereits 1999 ein Buchkatalog (Komponisten Buch­stabe A-B) erschie­nen ist. Daneben wurden im Rahmen der Serie „Patrimoine Musi­cal Régional“ handschriftliche und gedruckte Bestände in den Provinzen bearbeitet und ebenfalls als Buchkataloge veröffentlicht. Im Portal „Catalogue collectif de France“ (http://ccfr.bnf.fr/portailccfr/jsp/) sind inzwischen auch die RISM France Titel zu finden. Es sind 8.000 Nachweise von Handschriften vor 1820 (Komponisten A-H) und 15.600 von Drucken vor 1800 aus dem Departement de la musique und ca. 34.000 Nach­weise aus dem Patrimoine. Ein Datenaus­tausch ist vereinbart und wurde mit Testdaten erprobt.

Italien: Koordiniert vom Ufficio Ricerca Fondi Musicali (URFM) in Mailand arbeiten verschiede­ne regionale Gruppen an der Dokumentation von Handschriften, Drucken und anderen Quellen. Die Titel gehen in die nationale Datenbank SBN Musica ein. Der Daten­austausch wird von RISM sehr gewünscht; es konnte aber bisher keine Verein­ba­rung erzielt werden. Hingegen hat die römische Ar­beitsgruppe Istituto di Biografia Musi­cale (IBIMUS) bisher das Programm PIKaDo verwendet und im Rahmen seiner Projekte direkt an die Zentralredaktion geliefert. Mit Beginn der nächsten Projekte soll Kallisto eingeführt werden.

Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit einzelnen Instituten:

Das Deutsche Historische Institut, Rom, bearbeitet im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts die Sammlungen zweier römischer Fürstenhäuser. Die Quellen werden digitalisiert und mit Kallisto nach RISM-Regeln beschrieben.

Mit dem Richard-Strauss-Quellenverzeichnis wurde vereinbart, dass die erhobenen Daten auch im RISM Online Katalog erscheinen werden.

Im Rahmen des Projekts Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik (KoFIM) wird die Autographensammlung der Staatsbibliothek zu Berlin digitalisiert und mit der Software des RISM beschrieben. Nicht nur der Nachweis der Quellen wird über den RISM Online-Katalog erfolgen, dieser wird auch um Links zu den zugehörigen Digitalisaten erweitert.

Im Berichtsjahr konnte die RISM-Manuskriptdatenbank um 24.900 Titel erweitert werden und enthält nun ca. 825.000 Titel.

Die CD-ROM zur Serie A/II: „Musikhandschriften nach 1600“ wurde 2008 mit der 16. Ausgabe (14. CD-ROM) eingestellt. Diese enthielt insgesamt 614.000 Titel sowie in drei Spezialdateien – einer Komponisten- (31.000 Einträge), einer Bibliothekssigeldatei (6.870 Einträge) und einer Datei der bei der Quellenbeschreibung herangezogenen Literatur (4.000 Einträge) – insgesamt weitere ca. 50.000 Einträge.

Auf diesen Daten basiert die derzeit noch von EBSCO Publishing Inc. (in Nachfolge von NISC) angebotene Internetdatenbank.

Seit Juli 2010 stellt RISM seinen Online-Katalog kostenlos im Internet zur Verfügung. Die Entwicklung der Suchsoftware wurde möglich durch eine Zusammenarbeit des RISM mit der Bayerischen Staatsbibliothek, München, und der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz. Der Anfangsbestand von ca. 700.000 Titeln konnte inzwi­schen um ca. 130.000 Titel erweitert werden. Der Online-Katalog wurde 2012 von im Monat durchschnittlich 5.800 Personen bei 14.000 Besuchen genutzt. Die Weiterentwicklung der Suchfunktionen wird auf Antrag der Bayerischen Staatsbibliothek von der Deutschen Forschungsgesellschaft gefördert und kann 2013 durchgeführt werden.

Der kostenlos im Internet angebotene Online-Katalog motiviert mehr und mehr Personen und Institutionen dazu, dem Projekt beizutragen. Vor allem wächst das Interesse ein­zel­ner Institutionen, ihre Bestände im Online-Katalog des RISM verzeichnet zu sehen. Die Zentralredaktion erhält aber auch zunehmend Hinweise und Korrekturvorschläge von Benutzern.

Die neue Website des RISM, die in Zusammenarbeit mit der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Digitale Akademie) entstanden ist, konnte um Funk­tio­nen zur Kommunikation erweitert werden. Die neue Website wird von der Zentral­redaktion und den Arbeitsgruppen ständig mit neuen Inhalten bestückt und erfreut sich mit durchschnittlich 3.500 Besuchen pro Monat steigender Beliebtheit.

Das RISM-Kurzporträt kann über die Zentralredaktion bezogen werden. Es liegt inzwischen in einer englisch-deutschen und englisch-russischen Ausgabe vor.

Zum 60-jährigen Bestehen hat RISM gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur und der Johannes Gutenberg-Universität, beide Mainz, vom 4. bis 6. Juni 2012 eine Konferenz durchgeführt, die unter dem Thema „Musikdokumentation in Bibliothek, Wissenschaft und Praxis“ stand. Neben Berichten von Ländergruppen über ihre Bestände, die teilweise noch zu bearbeiten sind, teilweise bereits in Datenbanken katalogisiert vorliegen, standen Referate zur inhaltlichen und technischen Auswertung der Daten auf dem Programm, und es konnte auch ein Seitenblick auf ergänzende Projekte wie z.B. das Palestrina Werkverzeichnis, die MassDataBase, oder das Bernstein Portal für Wasserzeichen, geworfen werden. An der Konferenz beteiligten sich 108 Teilnehmer aus 22 Ländern, darunter auch so weit entfernte wie Mexiko, Brasilien und Süd Korea. Abstracts und Referate sind auf der Website des RISM erhältlich.

Der Vorstand des RISM hat beschlossen, ein Nachfolgeprogramm für Kallisto entwickeln zu lassen. Das ist nötig geworden, weil die Anforderungen, die inzwischen an das Programm gestellt werden, nicht mehr zeitgerecht umgesetzt werden können. Das neue Kallisto soll vor allem plattformunabhängig sein und auf einem open source Basisprogramm beruhen.

Nachdem schon im Rahmen einiger Digitalisierungsprojekte - z.B. das Schrank II Projekt der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden - die Daten des Online-Katalogs als Metadaten verwendet werden, diskutiert die Zentralredaktion derzeit mit den Arbeitsgruppen, ob die Daten als Linked Open Data zur Verfügung gestellt werden können. Das würde die Nutzung der Daten im wissenschaftlichen und bibliothekarischen Umfeld erheblich erleichtern.


Klaus Keil, im Januar 2013