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RÉPERTOIRE INTERNATIONAL DES SOURCES MUSICALES
(RISM)
Zentralredaktion Frankfurt

Jahresbericht 2011

Träger: Internationales Quellenlexikon der Musik e.V., Kassel. Ehrenpräsident:
Dr. Harald Heckmann, Ruppertshain; Präsident: Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Wolff, Cambridge/Leipzig; Vizepräsidentin: Catherine Massip, Paris; Sekretär: Dr. Wolf-Dieter Seiffert, München; Schatzmeister: Dr. Andreas Klug, Kriftel, ab 04.09.2011 Prof. Dr. Klaus Pietschmann, Mainz; kooptierte Vorstandsmitglieder: Prof. Dr. Ulrich Konrad, Würzburg; Prof. Dr. John H. Roberts, Berkeley.

Commission Mixte (Delegierte von AIBM und SIM): Chris Banks (AIBM); Massimo Gentili-Tedeschi (AIBM); Dr. John B. Howard (AIBM); Prof. Dr. Ulrich Konrad (SIM);  Catherine Massip (AIBM); Dr. habil. Christian Meyer (SIM); Prof. Dr. Pierluigi Petrobelli (SIM); Prof. Dr. John H. Roberts (AIBM); Prof. Dr. Jürg Stenzl (SIM); Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Wolff (SIM).

Leiter der Zentralredaktion: Klaus Keil, Frankfurt.

Anschrift: Internationales Quellenlexikon der Musik, Zentralredaktion an der Universi-tätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Sophienstraße 26, 60487 Frankfurt am Main, Tel.: 0049 69 706231, Fax: 0049 69 706026, E-Mail: contact@rism.info, Internet: www.rism.info.

Verlage: für Serie A/I, für die Bände VIII,1 und 2 der Serie B sowie für Serie C: Bären­reiter Verlag, Kassel; für Serie A/II, CD-ROM: K. G. Saur Verlag, München; Internetda­­tenbank: EBSCO Publishing, Inc., Birmingham, USA; für Serie B (ohne Bände VIII,1 und 2): G. Henle Verlag, München.Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Susanne Büchner, Dr. Martina Falletta, Stephan Hirsch, Klaus Keil, Guido Kraus, Alexander Marxen, Jennifer Ward, Isabella Wiedemer-Höll.

Das Internationale Quellenlexikon der Musik (Répertoire International des Sources Musicales – RISM) mit der Zentralredaktion in Frankfurt steht unter dem Patronat der „Association Internationale des Bibliothèques, Archives et Centres de Documentation Musicaux“ (AIBM) und der „Société Internationale de Musicologie“ (SIM) und hat die Aufgabe, weltweit die gedruckte und handschriftliche Überlieferung der Musik zu doku­mentieren. In einer Serie A/I werden zwischen 1600 und 1800 erschienene Einzeldrucke, in einer Serie A/II die Musikhandschriften nach 1600 mit einer ausführlichen Beschreibung inklusive der Fundorte nachgewiesen. Beide Serien sollten ursprünglich wie in den Bänden der Serie A/I alphabetisch nach Komponistennamen angeordnet sein. Da die Serie A/II als Datenbank veröffentlicht wird, können weitaus mehr Zugriffsmöglichkeiten angeboten werden. Die Serie B ist für Spezialrepertorien vorgesehen wie z. B. Sammeldrucke des 16. bis 18. Jahrhunderts, das deutsche Kirchenlied, musiktheoretische Quellen in lateinischer, griechischer, arabischer, hebräischer und persischer Sprache usw. Die Serien A/I, A/II und B werden durch eine Serie C, das „Directory of Music Research Libraries“, ergänzt.
Serie A/I: Erschienen in 9 Bänden, 4 Supplementbänden und als CD. Die CD-ROM zur Serie A/I ist im Dezember 2011 erschienen. Sie enthält alle Einträge der Bände 1 – 9 und 11 – 14.
Serie B: Im Rahmen dieser Reihe sind bisher 30 Bände erschienen; zuletzt RISM B/XV: „Mehrstimmige Messen in Quellen aus Spanien, Portugal und Lateinamerika, ca. 1490–1630“, bearbeitet von Cristina Urchueguía, München 2005. Bereits 1979 bis 1986 wurden 3 Sonderbände „Das Tenorlied“ publiziert.
Serie C: Bisher erschienen fünf Bände sowie ein Sonderband „RISM-Bibliothekssigel-Gesamtverzeichnis“, herausgegeben von der RISM-Zentralredaktion. Das Sigelverzeichnis ist inzwischen über die Website des RISM als Datenbank abfragbar. Die Datenbank ist gegenüber dem Verzeichnis erheblich erweitert: So kann z.B. vom Sigeleintrag aus auf die im Online Katalog verzeichneten Bestände zugegriffen werden. Auch die Bibliothekssigeldatenbank wird regelmäßig aktualisiert. In Zusammenarbeit mit dem Publica­tions Committee der AIBM konnten zuletzt die revidierten Bände II und III,1 herausge­geben werden. Sie ersetzen die Bände II und III mit Ausnahme des Teils, der die italieni­schen Sigel enthält. Diese sind für einen Band III,2 vorgesehen, der in Vorbereitung ist.
Serie A/II: In dieser Serie werden Handschriften mit mehrstimmiger Musik, die nach 1600 entstanden sind, komplett erfasst und erschlossen. Sie bildet den umfangreichsten Komplex des gesamten RISM und gegenwärtig den Schwerpunkt seiner Arbeit. Dafür werden von Arbeitsgruppen in mehr als 30 Ländern Titelaufnahmen von Musikhand­schriften vor Ort in den Bibliotheken und Archiven erarbeitet. Die Ländergruppen erstel­len ihre Beschreibungen mit dem Computer und übermitteln sie an die Zentralredaktion über das Internet. Dazu stellt die Zentralredaktion das Erfassungsprogramm Kallisto kostenlos zur Verfügung. Die Übermittlung von digitalisierten Informationen minimiert den redaktionellen Aufwand und hilft, die Fertigstellung des Projektes zu beschleunigen.

Seit Beginn des Projektes wurden ca. 830.000 Titelaufnahmen in die RISM-Zentral­redaktion nach Frankfurt gemeldet.

Folgende Arbeitsgruppen haben im Jahr 2011 ihre Titelaufnahmen mit Kallisto erfasst: Österreich, Innsbruck: 1047 Titel, Salzburg: 51 Titel, Vorarlberg: 1 Titel, Wien (Akademie der Wissenschaft): 236 Titel; Tschechien, Brünn: 327 Titel, Prag: 2.897 Titel; Deutschland, Berlin (Staatsbibliothek zu Berlin): 942 Titel, Dresden: 5.001 Titel, München: 12.326 Titel; Italien, Rom: 42 Titel; Polen, Breslau: 324 Titel, Danzig: 516 Titel, Krakau: 124 Titel, Warschau: 339 Titel; Slowenien: 136 Titel.Erstmals teilgenommen haben Arbeitsgruppen aus Österreich, Schlägl: 34 Titel, Litauen: 5 Titel, Mexiko: 15 Titel. Titel auf Karteikarten wurden aus Russland (ca. 7 Titel) übersandt und von der Zentralredaktion in Kallisto neben weiteren 1.234 Titeln aus Altbeständen eingegeben.

Manche Arbeitsgruppen benutzen ein eigenes System und liefern teilweise erst nach einer längeren Vorlaufzeit ihre Daten. Im Einzelnen sollen hier genannt werden:
England/Vereinigtes Königreich: Gemeinsam mit der RISM-Arbeitsstelle in Irland wurde eine Datenbank der Musikhandschriften aufge­baut, auf die man im Internet (www.rism.org.uk) kostenlos zugreifen kann. Im ersten Halbjahr 2011 konnten 55.000 der dort angebotenen Titel nach Konvertierung in die Datenbank des RISM übertragen werden. Bei Gründung des Projektes waren die Teilnehmer auf die Verwendung von Standards wie Anglo-American Cataloguing Rules (AACR2) und die Einordnungstitel für Musik der Library of Congress u. a. verpflichtet worden. Diese Standards entsprechen nicht denen des RISM. Deshalb mussten Felder wie z.B. Texte, Namen, Verweise bei Sammelhandschriften, usw. nachgearbeitet werden. Im Dezember 2011 wurden die Daten im RISM Online-Katalog veröffentlicht.
Schweiz: Die Schweizer Arbeitsgruppe hat die Umstellung auf Kallisto nicht mitvollzogen, sondern benutzt ein eigenes Programm, das das Datenmodell der Britischen Arbeitsgruppe verwendet. Ein Datenaustausch ist zugesagt. Er wird nach Abschluss des Datenaustausches mit der Britischen Arbeitsgruppe auf der Basis der dafür gemachten Entwicklungen eingerichtet.
Frankreich: In der Bibliothèque Nationale in Paris wurde eine Datenbank der haus­eigenen Musikhandschriften erstellt, aus der bereits 1999 ein Buchkatalog (Komponisten Buchstabe A-B) erschienen ist. Daneben wurden im Rahmen der Serie „Patrimoine Musical Régional“ handschriftliche und gedruckte Bestände in den Provinzen bearbeitet und ebenfalls als Buchkataloge veröffentlicht. Im Portal „Catalogue collectif de France“ (http://ccfr.bnf.fr/portailccfr/jsp/) sind inzwischen auch die RISM France Titel zu finden. Es sind 8.000 Titel Handschriften vor 1820 (Komponisten A-H) und 15.600 Drucke vor 1800 aus dem Departement de la musique und ca. 34.000 Titel aus dem Patrimoine. Ein Datenaustausch ist vereinbart und wurde mit Testtiteln erprobt.
Italien: Koordiniert vom Ufficio Ricerca Fondi Musicali (URFM) in Mailand arbeiten verschiedene regionale Gruppen an der Dokumentation von Handschriften, Drucken und anderen Quellen. Die Titel gehen in die nationale Datenbank SBN Musica ein. Der Datenaustausch wird von RISM sehr gewünscht; es konnte aber bisher keine Vereinbarung erzielt werden. Hingegen hat die römische Arbeitsgruppe Istituto di Biografia Musicale (IBIMUS) bisher das Programm PIKaDo verwendet und im Rahmen seiner Projekte direkt an die Zentralredaktion geliefert. Mit Beginn der nächsten Projekte wird Kallisto eingeführt.Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit einzelnen Instituten: Das Deutsche Historische Institut, Rom, bearbeitet im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts die Sammlungen zweier römischer Fürstenhäuser. Die Quellen werden digitalisiert und mit Kallisto nach RISM-Regeln beschrieben.
In Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig und dem Bacharchiv Leipzig wurden in einem mit Studenten durchgeführten Projekt die Bestände der Dreifaltigkeitskirche in Libau (Liepaja), Lettland, mit 323 Titeln aufgenommen.

Im Berichtsjahr konnte die RISM-Manuskriptdatenbank um 81.000 Titel erweitert werden und enthält nun ca. 800.000 Titel.

Die CD-ROM zur Serie A/II: „Musikhandschriften nach 1600“ wurde 2008 mit der 16. Ausgabe (14. CD-ROM) eingestellt. Diese enthielt insgesamt 614.000 Titel sowie in drei Spezialdateien – einer Komponisten- (31.000 Einträge), einer Bibliothekssigeldatei (6.870 Einträge) und einer Datei der bei der Quellenbeschreibung herangezogenen Literatur (4.000 Einträge) – insgesamt weitere ca. 50.000 Einträge.
Auf diesen Daten basiert die derzeit noch von EBSCO Publishing Inc. (in Nachfolge von NISC) angebotene Internetdatenbank.

Seit Juli 2010 stellt RISM seinen Online-Katalog kostenlos im Internet zur Verfügung. Die Entwicklung der Suchsoftware wurde möglich durch eine Zusammenarbeit des RISM mit der Bayerischen Staatsbibliothek, München, und der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz. Der Anfangsbestand von ca. 700.000 Titeln konnte inzwischen auf ca. 800.000 Titel erweitert werden. Darüber hinaus wurde als neues Feature die Suche nach Musikincipits möglich gemacht.

Der kostenlos im Internet angebotene Online-Katalog motiviert mehr und mehr Personen und Institutionen dazu, dem Projekt beizutragen. Vor allem wächst das Interesse einzelner Institutionen, ihre Bestände im Online-Katalog des RISM verzeichnet zu sehen. Die Zentralredaktion erhält aber auch zunehmend Hinweise und Korrekturvorschläge von Benutzern.

Die neue Website des RISM, die in Zusammenarbeit mit der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Digitale Akademie) entstanden ist, konnte um Funktionen zur Kommunikation erweitert werden. Die neue Website wird von der Zentralredaktion und den Arbeitsgruppen ständig mit neuen Inhalten bestückt und erfreut sich mit inzwischen mehr als 4.000 Zugriffen pro Monat steigender Beliebtheit. Eine neue Ausgabe der RISM-Kurzporträts kann über die Zentralredaktion bezogen werden.

Klaus Keil, im Januar 2012