English | Deutsch | Français

RÉPERTOIRE INTERNATIONAL DES SOURCES MUSICALES

(RISM)

Zentralredaktion Frankfurt

Jahresbericht 2010


Träger: Internationales Quellenlexikon der Musik e.V., Kassel. Ehrenpräsident:
Dr. Harald Heckmann, Ruppertshain; Präsident: Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Wolff, Cambridge/Leipzig; Vizepräsidentin: Catherine Massip, Paris; Sekretär: Dr. Wolf-Dieter Seiffert, München; Schatzmeister: Dr. Martin Bente, München, ab 26.10.2010
Dr. Andreas Klug, Kriftel; kooptierte Vorstandsmitglieder: Prof. Dr. Ulrich Konrad, Würzburg; Prof. Dr. John H. Roberts, Berkeley. Commission Mixte (Delegierte von AIBM und SIM): Chris Banks (AIBM); Massimo Gentili-Tedeschi (AIBM); Prof. Dr. Ulrich Konrad (SIM); Dr. John B. Howard (AIBM); Catherine Massip (AIBM); Dr. habil. Christian Meyer (SIM); Prof. Dr. Pierluigi Petrobelli (SIM); Prof. Dr. John H. Roberts (AIBM); Prof. Dr. Jürg Stenzl (SIM); Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Wolff (SIM). Leiter der Zentralredaktion: Klaus Keil, Frankfurt.

Anschrift: Internationales Quellenlexikon der Musik, Zentralredaktion an der Universi-tätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Sophienstraße 26, 60487 Frankfurt am Main, Tel.: 0049 69 706231, Fax: 0049 69 706026, E-Mail: contact@rism.info, Internet: www.rism.info.

Verlage: für Serie A/I, für die Bände VIII,1 und 2 der Serie B sowie für Serie C: Bären­reiter Verlag, Kassel; für Serie A/II, CD-ROM: K. G. Saur Verlag, München; Internetda­­tenbank: EBSCO Publishing, Inc., Birmingham, USA; für Serie B (ohne Bände VIII,1 und 2): G. Henle Verlag, München.


Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Susanne Büchner, Dr. Martina Falletta, Stephan Hirsch, Klaus Keil, Guido Kraus, Alexander Marxen, Jennifer Ward (seit 01.09.2010), Isabella Wiedemer-Höll.


Das Internationale Quellenlexikon der Musik (Répertoire International des Sources Musicales – RISM) mit der Zentralredaktion in Frankfurt steht unter dem Patronat der „Association Internationale des Bibliothèques, Archives et Centres de Documentation Musicaux“ (AIBM) und der „Société Internationale de Musicologie“ (SIM) und hat die Aufgabe, weltweit die gedruckte und handschriftliche Überlieferung der Musik zu doku­mentieren. In einer Serie A/I werden zwischen 1600 und 1800 erschienene Einzeldrucke, in einer Serie A/II die Musikhandschriften nach 1600 mit einer ausführlichen Beschreibung inkl. der Fundorte nachgewiesen. Beide Serien sollten ursprünglich wie in den Bänden der Serie A/I alphabetisch nach Komponistennamen angeordnet sein. Da die Serie A/II als Datenbank veröffentlicht wird, können weitaus mehr Zugriffsmöglichkeiten angeboten werden. Die Serie B ist für Spezialrepertorien vorgesehen wie z. B. Sammeldrucke des 16. bis 18. Jahrhunderts, das deutsche Kirchenlied, musiktheoretische Quellen in lateinischer, griechischer, arabischer, hebräischer und persischer Sprache usw. Die Serien A/I, A/II und B werden durch eine Serie C, das „Directory of Music Research Libraries“, ergänzt.

Serie A/I: Erschienen in 9 Bänden, 4 Supplementbänden und als CD. Die CD-ROM zur Serie A/I erscheint im März 2011. Sie enthält alle Einträge der Bände 1 – 9 und 11 – 14.

Serie B: Im Rahmen dieser Reihe sind bisher 30 Bände erschienen; zuletzt RISM B/XV: „Mehrstimmige Messen in Quellen aus Spanien, Portugal und Lateinamerika, ca. 1490–1630“, bearbeitet von Cristina Urchueguía, München 2005.

Bereits 1979 bis 1986 wurden 3 Sonderbände „Das Tenorlied“ publiziert.

Serie C: Bisher erschienen fünf Bände sowie ein Sonderband „RISM-Bibliothekssigel-Gesamtverzeichnis“, herausgegeben von der RISM-Zentralredaktion. Eine überarbeitete Fassung dieses Verzeichnisses kann seit Sommer 2006 über die Website des RISM benutzt werden; es wird regelmäßig aktualisiert. In Zusammenarbeit mit dem Publica­tions Committee der AIBM konnten zuletzt die revidierten Bände II und III,1 herausge­geben werden. Sie ersetzen die Bände II und III mit Ausnahme des Teils, der die italieni­schen Sigel enthält. Diese sind für einen Band III,2 vorgesehen, der in Vorbereitung ist.

Serie A/II: In dieser Serie werden Handschriften mit mehrstimmiger Musik, die nach 1600 entstanden sind, komplett erfasst und erschlossen. Sie bildet den umfangreichsten Komplex des gesamten RISM und gegenwärtig den Schwerpunkt seiner Arbeit. Dafür werden von Arbeitsgruppen in mehr als 30 Ländern Titelaufnahmen von Musikhand­schriften vor Ort in den Bibliotheken und Archiven erarbeitet. Die Ländergruppen erstel­len ihre Beschreibungen mit dem Computer und übermitteln sie an die Zentralredaktion über das Internet. Dazu stellt die Zentralredaktion das Erfassungsprogramm Kallisto kostenlos zur Verfügung. Die Übermittlung von digitalisierten Informationen minimiert den redaktionellen Aufwand und hilft, die Fertigstellung des Projektes zu beschleunigen.


Seit Beginn des Projektes wurden ca. 750.000 Titelaufnahmen in die RISM-Zentral­redaktion nach Frankfurt gemeldet.

Folgende Arbeitsgruppen haben ihre Titelaufnahmen mit Kallisto erfasst: Österreich, Innsbruck 1.064 Titel, Salzburg 334 Titel, Wien (Akademie der Wissenschaft) 472 Titel; Tschechien, Brünn 414 Titel, Prag 1.685 Titel; Deutschland, Dresden 4.833 Titel, München 8.646 Titel; Italien, Rom 31 Titel; Polen, Breslau 513 Titel, Warschau 256 Titel; Slovenien 262 Titel; USA 4.756 Titel. Die Berliner Staatsbibliothek hat die Sammlung der Singakademie im Rahmen eines Projektes erfasst: 7.931Titel. Die Daten sind erstmals im neuen Online-Katalog enthalten.

Titel auf Karteikarten wurden aus Russland (ca. 200 Titel) und Litauen (1 Titel) übersandt und von der Zentralredaktion in Kallisto neben 994 Titeln aus Altbeständen eingegeben.


Manche Arbeitsgruppen benutzen ein eigenes System und liefern teilweise erst nach einer längeren Vorlaufzeit ihre Daten. Im Einzelnen sollen hier genannt werden:

England/Vereinigtes Königreich: Die Finanzierung der seit 2001 bestehenden Arbeits­gruppe an der British Library in London durch das Arts and Humanities Research Coun­cil ist im Oktober 2007 zu Ende gegangen. Das parallel durchgeführte Projekt Katalogi­sierung der Julian Marshall Collection der British Library, finanziert durch die Gladys Krieble Delmas Foundation, wurde im September 2007 abgeschlossen. Gemeinsam mit der RISM-Arbeitsstelle in Irland wurde eine Datenbank der Musikhandschriften aufge­baut, auf die man im Internet kostenlos zugreifen kann. Die Datenbank enthält inzwischen über 66.000 Titel. Der Datenaustausch wurde 2009 in Angriff genommen und wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2011 abgeschlossen sein.

Schweiz: Die Schweizer Arbeitsgruppe hat die Umstellung auf Kallisto nicht mitvollzogen, sondern benutzt ein eigenes Programm, das das Datenmodell der Britischen Arbeitsgruppe verwendet. Ein Datenaustausch ist zugesagt. Er wird nach Abschluss des Datenaustausches mit der Britischen Arbeitsgruppe auf der Basis der dafür gemachten Entwicklungen eingerichtet.

Frankreich: In der Bibliothèque Nationale in Paris wurde eine Datenbank der haus­eigenen Musikhandschriften erstellt, aus der ein Katalog erschienen ist. Ein Datenaus­tausch ist vereinbart und wurde mit Testtiteln erprobt. Daneben wurden im Rahmen der Serie „Patrimoine Musical Régional“ handschriftliche und gedruckte Bestände in den Provinzen bearbeitet und als Katalog veröffentlicht. Aus vielen dieser Kataloge sind die RISM A/II betreffenden Titel von der Zentralredaktion in die Datenbank des RISM über­tragen worden.

Italien: Koordiniert vom Ufficio Ricerca Fondi Musicali (URFM) in Mailand arbeiten verschiedene regionale Gruppen an der Dokumentation von Handschriften, Drucken und anderen Quellen. Die Titel gehen in die nationale Datenbank SBN Musica ein. Der Datenaustausch wird von RISM sehr gewünscht; es konnte aber bisher keine Verein­barung erzielt werden. Hingegen verwendete die römische Arbeitsgruppe Istituto di Bio­grafia Musicale (IBIMUS) bisher das Programm PIKaDo und liefert im Rahmen seiner Projekte direkt an die Zentralredaktion. Mit Beginn der nächsten Projekte wird Kallisto eingeführt.

Das Deutsche Historische Institut, Rom, bearbeitet im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts die Sammlungen zweier römischer Fürstenhäuser. Die Quellen werden digitalisiert und mit Kallisto nach RISM-Regeln beschrieben.

Die Eingabe der Haydn-Quellen anhand der Quellenkartei des Joseph Haydn-Instituts, Köln, in die RISM-Datenbank konnte im Jahre 2010 nicht fortgesetzt werden.


Im Berichtsjahr konnte die RISM-Manuskriptdatenbank um 32.191 Titel erweitert werden und enthält nun ca. 726.000 Titel.


Die CD-ROM zur Serie A/II: „Musikhandschriften nach 1600“ wurde mit der 16. Ausgabe (14. CD-ROM) eingestellt. Diese enthielt insgesamt 614.000 Titel sowie in drei Spezialdateien – einer Komponisten- (31.000 Einträge), einer Bibliothekssigeldatei (6.870 Einträge) und einer Datei der bei der Quellenbeschreibung herangezogenen Literatur (4.000 Einträge) – insgesamt weitere ca. 50.000 Einträge.

Das ist die Menge, die derzeit noch von EBSCO Publishing Inc. (in Nachfolge von NISC) als Internetdatenbank angeboten wird.


Im Juli 2010 wurde der kostenlose Online-Katalog im Internet zugänglich gemacht. Die Entwicklung wurde möglich durch eine Zusammenarbeit des RISM mit der Bayerischen Staatsbibliothek, München, und der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz. Der Anfangsbestand enthielt ca. 700.000 Titel. Ein Update erfolgt monatlich..


Im August wurde die neue Website des RISM freigeschaltet, die in Zusammenarbeit mit der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Digitale Akademie) entstanden ist. Die neue Webadresse: www.rism.info wurde freundlicherweise von der Schweizer Arbeitsgruppe überlassen, die darauf bisher eine Mailing-List für RISM-Arbeitsgruppen moderiert hat.


Ebenfalls im August ist der Kongressbericht Wissenschaftliche und technische Herausforderung musikhistorischer Quellenforschung im internationalen Rahmen. Hildesheim, 2010 erschienen, der auf den internationalen Kongress zum 50. Jahrestag der Gründung des RISM zurückgeht.


Klaus Keil, im Januar 2011